Nadine Carina – Magic Box

am

Man tut der italienischsprachigen Schweizerin Nadine Carina nichts Böses, wenn man einleitend feststellt, dass ihr erstes Album „Magic Box“ wirklich keine Zauberkiste ist. Bezaubernd und gut ist es aber ohne Zweifel.

Natürlich kann man sich fragen, wie viele Alben es braucht, auf denen Singer/Songwriter die immer gleichen Harmonien nutzen und mit den gleichen Mitteln emotional ansprechende und harmonisch poppige Stücke schaffen. Aber solch kühl analytische Gedanken sind fehl am Platz, wenn Nadine Carina ihre einfach schönen oder aber emotional intensiven Stücke anstimmt. Mögen dem Album auch absolute Alleinstellungsmerkmale fehlen, so besitzt „Magic Box“ dank des technischen Low-Fidelity-Charakters, dank Carinas zwischen klar und brüchig pendelndem Gesang, der Verwendung elektronischer Elemente und ihrem Gespür für Melodien genug Reize, um auch dauerhaft zu fesseln.

Schon die Eröffnung überzeugt als Lo-Fi-Gitarrennummer mit Western-Soundtrack-Charme, die sowohl bedrohen wie aber auch Wohlbehagen auslösen mag. Manches auf „Magic Box“ erscheint ein wenig arg klassisch, so erklingt „Tomorrow“ im Stile Simon & Garfunkels und auch „To Be Saved“ orientiert sich stark am frühen unverstärkten und unverzerrten Gitarrenfolk amerikanischer Prägung. Aber selbst diese Stücke besitzen die beeindruckende emotionale Intensität, die Carinas Songs hier bestimmt. Besonders das elektronisch beeinflusste „Don’t Lose Her“ muss dahingehend erwähnt werden. Nadine Carinas Gesang erzeugt diese Wirkung in „This Night“, dessen schwebende Pianolinien staunen lassen und offenbaren, dass die Künstlerin offenbar von den großen emotionalen Komponisten filmischer Musik ebenfalls inspiriert ist. „Some Chocolates And Cigarettes“ wiederum erklingt spröde und doch voller poppiger Perfektion, während eine minimalistische, unperfekte Schönheit „Like Her“ auszeichnet. „Daydream“ erklingt dagegen als zarte Gitarrenballade, und „You And Me“ bezaubert zerbrechlich und dunkel. Das vordergründig fröhlichste und aufbauendste Stück des Albums ist „Running People“, das in seiner antreibenden Wirkung gleichzeitig am eindeutigsten gesellschaftskritisch daherkommt. Auch eine potentielle Radionummer findet sich auf „Magic Box“ mit dem zunächst unscheinbaren „Christmas Memories“, das, sobald Keyboard und Schlagzeug einsetzen, den Charakter wechselt und zum echten Hit mutiert.

Zumeist ist auf ihrem Debütalbum nur Nadine Carina mit einer Gitarre zu hören. Häufig offenbaren diese Stücke dann alle Elemente ihrer offenbar unprofessionellen Produktionsgeschichte und erlangen so einen ganz eigenen Reiz. Andererseits aber finden sich Stücke mit tief verwobenen elektronischen Arrangements. Beides lebt vom Gespür der Schweizerin für Melodien, von ihrer Stimme und davon, dass die Stücke nie ganz perfekt sind. So wird diese „Magic Box“ zu einer simplen, kleinen musikalischen Perle, von deren Qualität sich jeder mittels einiger Freeloads auf der Labelseite überzeugen kann.

Advertisements