Modeselektor – Monkeytown

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Man kann Modeselektor wirklich nicht vorwerfen, sie würden mit ihrem dritten Album nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen. Unklar ist jedoch, ob sie uns vielleicht sogar positiv überraschen. Sie lassen sich aufgrund „unseres digitalen Zeitalters“ dazu verleiten – und ihrer offenkundigen Abneigung gegen Vorabrezensenten –, die potentiellen Perlen auf „Monkeytown“ mit phasenweise nervigen und vermutlich vollkommen ineffektiven Pieptönen zu versehen. Natürlich hätten es sich die beiden Modeselektoren mit Gästen wie PVT, Thom Yorke und Anti-Pop Consortium aber auch gar nicht erlauben können, hinter den Wünschen der Fans zurückzubleiben.

International dürften sicherlich „Ship Wreck“ und „This“ mit der größten Spannung erwartet werden, die Stücke, bei denen die Berliner von Oxfords Thom Yorke unterstützt werden. Allerdings stehen diese Stücke, bei denen Gernot Bronsert und Sebastian Szary sich alle Mühe geben, eine Radiohead’sche oder eine Atoms-For-Peace-Stimmung aufkommen zu lassen, im Schatten des diesjährigen Radiohead-Albums und insbesondere der im Verlauf des Sommers veröffentlichten Remix-Maxis für „The King Of Limbs“. „Ship Wreck“ ist ein spannender und durchaus beeindruckender Track, dessen Eigenständigkeit aber allein einigen wenigen Rave-inspirierten Momenten entspringt. Atmosphärischer Dubstep wiederum wird von jedem Ton in „This“ verströmt, wobei das Stück deutlich hinter manch einem der erwähnten Remixe zurückbleibt – und natürlich dennoch zu begeistern vermag.

Bei „Humanized“ unterstützen Anti-Pop Consortium die Modeselektoren, was zu einem wackelnden, aber in keiner Weise spektakulären HipHop-Track führt. Fast sprachlos hinterlässt dagegen „Green Light Go“, bei dem PVT mitverantwortlich sind für eine aufstrebende, sich ins Unendliche aufmachende Sci-Fi-Pop-Nummer. Verzweigende Drum-Rhythmen und sphärische Synthesizer entführen in fremde Galaxien. Gen Ende bei „War Cry“ sind de facto Moderat am Werk und werfen uns flimmernd hypnotisiert aus dem Album heraus. Vorher darf dagegen Otto von Schirach den bösen Zwilling geben und den Modeselektor’schen Bässen einen nötigen Hauch Wahnsinn beifügen. Ähnlich wahnsinnig wie „Evil Twin“ und stilistisch ähnlich wie „Humanized“, aber deutlich spektakulärer als diese Nummer erklingt „Pretentious Friends“, einer der Höhepunkte des Albums.

Natürlich sind Gernot Bronsert und Sebastian Szary elektronische Verrücktheiten eh nicht fremd. Dies – und dass sie auch ohne Gäste überzeugen können – zeigen sie nicht zuletzt bei „Grillwalker“. Dessen „wonky“ Bässe gehören mit zu den direktesten und begeisterndsten Klängen auf „Monkeytown“. Treibend und clubbig kommt „German Clap“ ebenfalls ohne Gäste um die Ecke, klingt aber ziemlich bekannt. Dennoch fügt „Monkeytown“, über jeden Zweifel erhaben, der Legende von Modeselektor nach „Hello Mom!“ und „Happy Birthday!“ ein drittes Kapitel hinzu. Wie gut es am Ende wirklich ist, wollen Szary und Bronsert nur die Käufer ihres Albums entscheiden lassen. Enttäuschen wird es aber sicher nicht.

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