Lee Curtiss – Watergate 08

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Für die neueste, achte Ausgabe seiner Mix-CD-Reihe hat das Berliner Watergate Detroits Lee Curtiss verpflichten können. Voller Seele und im nötigen Maß dreckig und körperlich inszeniert er diese 75 Minuten ganz im Stile eines funktionalen Club-Sets.

Schon die Eröffnung stellt das Anliegen klar, den Hörer zum Tanzen oder zumindest in die entsprechende Stimmung zu versetzen. Curtiss selber, Jazzler und No Regular Play obliegt es, den Boden zu bereiten, bevor Maceo Plex klassisch discoid den Soul der Tanzfläche offenbart und für den ersten Aha-Moment sorgt. Maceo Plex darf im weiteren Verlauf der Platte mit „Your Style“ noch einmal eingreifen, was aber nicht halb so effektiv ist. In diesem Stil geht es weiter, und wenn diesem Mix etwas angekreidet werden kann, dann ist es, dass der seelenvolle Beat der Motor-City Detroit zu wenig variiert wird. Vermag Curtiss‘ Edit von Footprintz‘ „The Things“ auch durchaus den Funk in Momenten zu erweitern, stapft Mix wie Track doch vor allem wohlgefällig gleichmäßig vor sich hin.

Immerhin verleiht Maayan Nidams Remix für Guy Gerber der CD dann ein gewisses Maß an poppiger Electroatmosphäre und changiert zwischen James-Bond- und Basic-instinct-Soundtrack. dOPs „After Party“ im Le-Loup-Remix beschert die nächsten bemerkenswerten Momente dieses Mixes, nicht zuletzt, weil es das Beateinerlei durchbricht und das Tempo anzieht – etwas was ein weiterer Curtiss-Edit für Footprintz (diesmal „The Favorite Game“) fortsetzt, der aber erneut nicht vollkommen überzeugt. Dies ist umso bedauerlicher, als er recht zentral im Mix eingebunden ist. Nachfolgend überzeugt Alex Smokes „Make My Day“ deutlich mehr als verzerrter, dunkel pulsierender Höhepunkt des Mixes. Der leitet in dOPs „Your Sex“ hinüber, dessen Bass wiederum Detroit in Berlin landen lässt, wo WhoMadeWho mit einem weiteren Mix-Highlight den Staffelstab übernehmen und eine ravige Ekstase auslösen. Dies setzt James Teej fort mit einer latent old-schooligen Electronic-Beats-Perle. Gebrochene Beats in Verbindung mit dieser Electronica präsentiert Curtiss nachfolgend mit Hot Natured featuring Ali Love, bevor Kim Ann Foxman die achte Watergate-Ausgabe auf einem absoluten Höhepunkt beenden darf.

Alles in allem ist das nett anzuhören, verströmt auch die beabsichtigte Clubatmosphäre, überzeugt aber als CD, als Mixalbum nur in einigen wenigen Momenten. Ansonsten gleitet die Musik zu unauffällig an einem vorbei, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Wollte man übermäßig kritisch sein, ließe sich Watergate 08 von Lee Curtiss als perfekte Shopping-Untermalung bezeichnen.

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