Laszlo – Radial Nerve

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Wenn ein Label oder ein Werbebeauftragter über ein Album sagt, nichts würde den Stücken gerecht, bis man sie im Albumkontext gehört habe, stellt sich Gähnen ein und die Erwartungshaltung sinkt ins Bodenlose. Beides sind Reaktionen, die bei der Qualität von Laszlos „Radial Nerve“ vollkommen unangebracht sind.

Melancholie und sommerliche Leichtigkeit stehen sich hier gegenüber, verbinden sich und ergänzen sich zu einer zeitlos schönen Platte für alle Jahreszeiten. Laszlos Stücke sind geprägt von einer zurückgelehnten Entspanntheit und zeichnen sich gleichzeitig durch eine ungemein intensive Virtuosität aus. Exzessiver harmonischer Wohlklang, gepaart mit rhythmischer Vielschichtigkeit und Spannung, ergibt eine Platte, die zuvor unwissentlich vermisst wurde. Stilistisch irgendwo in der Electronica verwurzelt, aber ebenso geprägt von jazziger Expertise und poppigem Bewusstsein schafft Laszlo aus vielfältiger Instrumentierung und unscheinbarer und doch ungemein effektiver Perkussion sowie ebenso kaum auffallenden elektronischen Elementen einen stilistischen Bastard, der unendlich viele Assoziationen heraufbeschwört und doch in keinster Weise in eine Schublade passen will. Sicherlich steht Laszlo mit „Radial Nerve“ nicht jenseits der Genres oder macht gar etwas ganz Neues, aber eigen und speziell ist sein seelenvoller, mitreißender, beschwingter Pop allemal. Die jazzig akzentuierten, elektronisch verbrämten, swingend warmen Arrangements begeistern – ganz klischeebehaftet – Geist, Herz und Körper gleichermaßen.

Von der hektischen Energie der eröffnenden Miniatur des Titeltracks über die hüpfende Tanzbarkeit von „NRV“ oder das scheinbar fernöstliche und doch vollkommen europäisch beschwingte „Saintonge“ bis hin zum zitternden Zauber von „Anatolia“, von „Zeitgeist“ in seiner anspruchsvollen Harmonie, „Mr Sunshine“ in seiner karibischen Unbeschwertheit und „Satori“, das zwischen Sommerhit und herbstlicher Melancholie hin und her pendelt, bis hin zum Pophit Phoenix’scher Bauart namens „Bohemian Groove“ strotzen Laszlos Tracks auf „Radial Nerve“ vor überbordender Kreativität und musikalischer Virtuosität. Die Qualität der Stücke ist so gleichbleibend hoch, dass es fast nicht möglich ist, etwas herauszuheben. Böse formuliert ist das alles vielleicht zu harmonisch, zu gleichbleibend beschwingt, erscheint Laszlos Verbindung von Sonnigem mit Melancholischem fast eintönig. Das ändert aber nichts an der erstaunlichen Qualität dieser Platte. „Radial Nerve“ ist eine der großen positiven Überraschungen des ansonsten bisher eher unauffälligen Musikjahres 2011.

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