Jonsson/Alter – Mod

am

„Jede Note ist ein Atemzug und jeder Kick pumpt wie ein erwachtes Herz,“ so beschreiben Joel Alter und Henrik Jonsson aka Jonsson/Alter ihr Album „Mod“. Von außen betrachtet trifft dies nicht zuletzt auf die eigentliche Albumeröffnung „Acapellan“ zu, die sich aber zudem streckenweise beschreiben ließe als das, was herauskommt, wenn Berliner Minimal auf die akustischen Vokalideen von Künstlern wie The Drums, Panda Bear, Animal Collective oder Fleet Foxes trifft. Über welches andere Technoalbum ließe sich so etwas sonst sagen?

Um sowohl die Fans von Fleet Foxes und The Drums wie auch die Freunde von Animal Collective’schen Experimenten zu beruhigen: hier dominiert weiterhin der Minimal, so dass sie ohne Probleme dran vorbei hören können. Die „Minimalisten“ aber wiederum kommen an „Mod“ kaum vorbei.

Wo „Acapellan“ einen minimalen Acid mittels Beach-Boys-Gesang modifiziert, spielt „Djuip House“ mit dem oberflächlichen Schmutz des Funk. Diese Oberflächlichkeit, die eigentlich nur einen sehr reinen House-Sound verziert, könnte als Kritik angeführt werden. Allerdings verliefe diese im Sand, so effektiv wirken die Beats. An funktionaler Tanzflächeneffizienz nicht zu übertreffen – im Rahmen von „Mod“ – ist jedoch „Hela Berget“, dessen simple, hüpfende Orgelklänge die Aufgaben eines Beats besser erfüllen, als es jedes Drumset könnte. „Kyrka 2.0“ wiederum klingt zwar nicht wirklich sakral, aber dennoch entführen uns die gedehnten Synthesizerflächen und die dumpfen, dunklen Beats in von Geistern heimgesuchte Katakomben und aufgegebene oder sogar verschüttete, vormals religiös genutzte Gewölbe.

Es ließe sich Jonsson/Alter und ihrem Album „Mod“ vorwerfen, es sei zu rein, es fordere den Hörer zu wenig, doch allein „Dvärg“ reicht aus, um diesen Vorwurf zu entkräften. Zunächst komplett reduziert auf kaum mehr als vier rhythmische Elemente, die scheinbar unzusammenhängend nebeneinander herlaufen, entfaltet sich ein funktionaler und direkter Track, dessen vordergründig einfaches Arrangement immer wieder neue Winkel offenbart. Andererseits überzeugt auf dem Album aber durchaus das Reine, Einfache besonders. Egal wie dem sei, „Mod“ ist ein Minimal-Album, das zu ignorieren ein Fehler wäre. Es ist tanzbar und interessant, housig und technoid, düster und funkig, skandinavisch und balearisch, atmosphärisch und clubbig.

Advertisements