Example – Playing In The Shadows

am

Hoch verehrtes Vereinigtes Königreich, es ist immer wieder begeisternd, was Du und Deine Musiker im Grenzbereich aus Electro, HipHop und Pop hervorbringen, aber das hier… Ne, also wirklich.

Elliot Gleave legt mit „Playing In The Shadows“ sein drittes Album als Example vor und betreibt dabei etwas, was wohl als Guettaisieriung von Garage zu verstehen ist. Die Theorie besagt, hier träfen Faithless, The Streets, Dizzee Rascal, Basement Jaxx und Goldie aufeinander. In der Praxis erklingen hier Beats aus den digitalen Abfalleimern von Michael Münzing, Frank Farian, David Guetta oder will.i.am – und ja, auch von Faithless – in Verbindung mit Lyrics, die genauso peinlich sind, wie es zu erwarten ist, wenn jemand so offensichtlich versucht, auf den aktuellen Electro-Hop-Erfogszug aufzuspringen.

Es ist kaum zu entscheiden, was mehr ärgert an diesem Album: Ist es das auf Stadionrave Gebürstete der Albumeröffnung „Skies Don’t Lie“ oder von „Stay Awake“, der Versuch, im Titelstück einen auf Massive Attack im Popmodus zu machen – was natürlich misslingt – oder dieses krampfhafte Anliegen, Electro-Hop-Pop Marke LMFAO mit Grime kurzzuschließen? Hinzu kommt dann noch Mitsing-Pseudo-R’n’B in „Microphone“ oder allgemein Stadionhouse im Stile von Faithless (aber schlechter). Unter Dauerbeschallung – wie für diese Rezension – kann man sich dem Popappeal, der dummdreisten Eingängigkeit der Stücke nicht vollkommen entziehen und fühlt sich dann tatsächlich versucht, Stücke wie den Pop’n’Blues-Hop „Anything“ oder das ravende „Changed The Way You Kiss Me“ als Höhepunkte zu bezeichnen. Aber nein, das wäre zu freundlich.

Wäre das erträglicher, wenn die Texte weniger platt wären, nicht so idiotisch mit „Alice In Wonderland“-Bezügen spielten oder sich nicht in solchem Schwachsinn ergingen wie If we don’t kill ourselves will we be the leaders of a messed up generation? Nein. Examples Schattenspiele werden perfekt in jeder Großraumdisko von Ibiza bis Brighton, von L.A. bis Hamburg-Bergedorf funktionieren, sie haben das Potential, die Jugendradios und sogar die Hitradios zu rocken. Viva und das Isle-of-MTV-Publikum werden Mr. Gleave lieben. Wer sich nicht zu diesen Zielgruppen zählt, wird sich am Ende nur noch die Frage stellen, wo diese qualitative Abwärtsspirale, die von den Black Eyed Peas und David Guetta so ungemein beschleunigt wurde, noch hinführen soll. Sicher ist nur: Schlimmer geht immer, leider.

Advertisements