Dave.I.D – Response

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Man mag leicht vernachlässigen, wie viel Industrial und Synthie-Pop der 1980er der zeitgenössischen elektronischen Musik innewohnt. Dies gilt besonders gegenüber britischem Electro der letzten 20 Jahre von Glitch Marke Warp über Bristol-Sound hin zu Garage. Mittendrin in diesem Koordinatensystem aus industriellem Noise, hymnischen Popmelodien und Bassmusik lässt sich Dave.I.D verorten. Sein Debütalbum „Response“ zehrt aus Mitteln all dieser Musikrichtungen und endet so bei einer ganz eigenen, nie wirklich zuzuordnenden Mischung. Um unnötige Vergleiche herbeizuziehen, klingt das im einen Moment nach Portishead, um dann an Depeche Mode zu gemahnen und zuletzt mit Zombys „Dedication“ Brüderschaft zu trinken.

Mit den – ob beabsichtigt oder nicht – Bezügen zum Synthpop und Triphop, zu Depeche Mode und Massive Attack spielt Dave.I.D natürlich mit unverwechselbaren, kollektiven Assoziationen und erzeugt so fast sofort Interesse. Sein Gespür für Melodien und Arrangements vertieft dies. Im Verlauf des Albums übernimmt der düstere Synthie-Pop die Kontrolle und verleiht dem Album vor allem in der Mitte einen leicht rückwärtsgewandten Grundcharakter. Selbst dann aber gelingt es Dave.I.D, diesen Eindruck nicht zu dominant werden zu lassen, sei es durch progressivere Drum-Patterns oder durch nur teils gelungene Sprechgesangeinlagen. In diesen Phasen überzeugt das Album insbesondere dank der gelungenen Verwendung von Drum-, Beat- und Bassmustern, die eher aus Garage oder (Post-)Dubstep vertraut sind. Dies soll allerdings Dave.I.Ds Gespür für Melodien, spannende synthetisch-poppige Arrangements und hymnische Refrains nicht schmälern. Unter den Popsongs ist das abschließende „Mine“ hervorzuheben, das in seiner langsamen Entfaltung eine ungemeine Spannung erzeugt. Ansonsten finden sich die Höhepunkte des Albums gleich zu Beginn. Leicht orientalische Klangmuster, flächige Synthesizer und industrielle Drums, die an die Klänge eines Stanzwerks erinnern, machen aus „When Everything Is In Its Place“ eine fast atemraubende Albumeröffnung. „You Me Come For“ nimmt eine poppige Melodie und harte Drums und verbindet sie zu einer Mischung aus Grime und Synth-Pop. Über eine Keyboard-Cembalo-Figur wiederum tanzen die Rhythmen des Post-Dubstep in „SumR“, während Dave.I.D sie direkt mit den Mitteln des Industrial kurzschließt.

Auch wenn „Response“ als Ganzes in der zweiten Hälfte deutlich nachlässt, gibt es an jedem einzelnen Track Dave.I.Ds kaum etwas auszusetzen. Ihm gelingt ein Album, das Synthiepop und Bassmusik gleichberechtigt zitiert und so einen streckenweise kaum zuzuordnenden Klang schafft.

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