Cosmin TRG – Simulat

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Bereits zum Jahreswechsel 2010/2011 deutete eines der deutschsprachigen Zentralorgane elektronisch hipper Kultur – die de-bug – an, der Berliner Rumäne Cosmin Nicolae (aka TRG oder Cosmin TRG) sei einer der Künstler, mit denen dieses Jahr gerechnet werden müsse. Acht Monate später präsentiert der Produzent sein Albumdebüt „Simulat“ und erfüllt jede in ihn gesetzte Erwartung – oder übererfüllt sie sogar.

Allein das bedrohliche Wummern des Basses und die nervös-beängstigten perkussiven Elemente der Eröffnung „Amor Y Otros“ lohnen die Auseinandersetzung mit dieser Platte. Keine Minute im Album angekommen ist man restlos überzeugt und erwartet gespannt, was Nicolae im Spannungsfeld von Bassmusik, House und Techno noch alles zaubern mag. Genau diese Vielseitigkeit der TRG’schen Ansätze überzeugt auf „Simulat“. Natürlich überrascht dies im Prinzip nicht, hat der Produzent doch zuvor bereits nicht nur auf BPitch Control, sondern auch auf Hessle Audio veröffentlicht. Dennoch aber leuchten er und ein Stück wie „Ritmat“ besonders hell am Himmel elektronischer Tanzmusik. Einerseits minimal housig, andererseits aber mit den vibrierenden Bässen eines Dubstephybriden und zudem mit den gebrochenen Beats des UK-Garage versehen, sorgt „Ritmat“ für leuchtende Augen und sofortige Begeisterung. Dunkle Bässe und glitzernde Synthesizermelodien machen dagegen aus „Star Motel“ eine eher ruhige und sogar latent eintönige Nummer, in der sich zu verlieren dank ihrer ungemeinen Nachhaltigkeit leicht fällt.

Hektisch-nervöse Synthiefetzen prägen über weite Strecken „Fizic“ und „Less Of Me More Of You“, wogegen „Want You To Be“ wiederum mit seinem Vokalfetzen als träumerisch-poppige Electronummer erklingt. Sie und das Album eint, wie spannende elektronische Beatkonstrukte und harmonische Intensität miteinander interagieren und den Hörer bannen. Diese intensive Spannung erreicht in „Osu Xen“ ihren Höhepunkt, wenn abwechselnd Melodisches und abstrakt pulsierende Rhythmen die Kontrolle übernehmen. Das cluborientierte Highlight des Albums markiert wiederum das abschließende „Form Over Function“, in dem eben gerade die Funktion wichtiger ist als die Inszenierung.

Auch wenn „Simulat“ doch in manchen Momenten mehr wie eine Sammlung von Tracks denn wie ein Album wirkt und wenn zudem manch eine Nummer irgendwie arg vertraut klingt, schafft Cosmin TRG hier ein Albumdebüt, das mehr als einfach überzeugt. Nicht zuletzt stellen er und seine Debüt-LP manch ein diesjähriges Album seiner Kollegen in den Schatten.

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