Bugge Wesseltoft & Henrik Schwarz – Duo

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Pianist Bugge Wesseltoft und Techno-Produzent Henrik Schwarz machen gemeinsam ein Album. Die Nachricht ließ im Grunde nur eine Reaktion zu: Halleluja, ein Duo für die Götter: Bugge Wesseltoft, der Jazz-Großmeister, der schon mit Laurent Garnier sein Händchen für die perfekte Zusammenführung von Klavier, Jazz und Neuer Musik mit Techno bewies und Henrik Schwarz, Mitglied der Berliner Techno-Elite. Bei genauerem Nachdenken offenbaren sich aber auch Vorbehalte. Piano und elektronische Beats wurden in den letzten Jahren von Francesco Tristano bereits in Perfektion zusammengeführt. Würde es möglich sein, das Klavier besser zum Tanzen zu bringen, als es Hauschka auf seinem diesjährigen Album tat? Nu Jazz Wesseltoft’scher Prägung hat durchaus seine peinlichen Momente. Und dieses Cover – schlimmer geht nimmer oder zumindest kaum.

So gut die Stücke des „Duo“s sind, so sehr treffen auch diese Bedenken zu. Auf die einzelnen Stücke bezogen lässt sich sogar feststellen: so häufig beim einen Hören eine Phase interessant klingt, so oft langweilt sie beim anderen.

Schon der erste gemeinsam entstandene Track, der das Album eröffnet und einfach nur „First Track“ betitelt ist, vereint Genie und Stirnrunzeln. Eine experimentell perkussive Rhythmik wird begleitet von durchaus kitschig seichten Pianolinien, die vornehmlich dem Wohlklang frönen und kaum Spannung erzeugen. Sie als hundertmal gehört zu bezeichnen, wäre nicht übertrieben. Dennoch – das ist das Erstaunliche am Album „Duo“ und gilt auch für alles nachfolgende Kritische – vermag das Stück in weiten Phasen zu fesseln.

„Dreaming“ interpretiert das gleichnamige Stück von Wesseltofts Album „Playing“ neu und versinkt in chilliger Lounge-Ästhetik, obwohl zwischenzeitlich Henrik Schwarz elektronisch die Federführung übernimmt. Andersrum gewinnt „Leave My Head Alone Brain“, das auf einem Clubhit von Henrik Schwarz beruht, hier gerade durch die Pianoelemente, wird so zum Hit des Albums, klingt aber in dieser Form – und das ist ein wenig bestürzend – fast eins zu eins nach einem Stück von Aufgang oder Francesco Tristano. Sobald die Kombination aus Electro und Piano sich dem funktional akustisch Tanzbaren hingibt, funktioniert das Album am besten. Neben „Leave My Head Alone Brain“ ist da „Where Is The Edge“ zu nennen.

„Dudelange“ ist genau das, was sein Titel verspricht: eine Dudel-Lounge. Nett anzuhören, entspannend, aber vollkommen unspannend – da hilft auch das Gegeneinander von zischelnder Perkussion und virtuosen Klavierfiguren nicht. Auch „See You Tomorrow“ pendelt eher unentschlossen zwischen ambient Neumusikalischem und verjazzt Elektronischem. Dieses seicht Wohlgefällige bleibt uns selbst im durchaus ambitionierten, aber nicht den letzten Schritte gehenden „Kammermusik“ erhalten. Der Versuch, Spannung aus dem Wechselspiel von Klavier und elektronischen Effekten und langgezogenen Akkordeontönen zu erzeugen, versickert im Nirgendwo. Aus diesem Nirvana heraus bleibt anzumerken, dass „Duo“ eine sehr zwiespältige Angelegenheit ist. Obwohl es im Grunde nichts neu macht und in Strecken doch eher anödet, hört man es im Prinzip gern.

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