Beyonce – 4

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Neben Alicia Keys ist Beyoncé Knowles wohl die letzte Überlebende des R’n’B-Booms. Von Alicia Keys erscheint dieser Tage die Jubiläumsausgabe ihres Debütalbums, das tatsächlich schon zehn Jahre alt ist, und Beyoncé veröffentlicht mit „4“ ein neues Soloalbum. Natürlich liefert sie damit ab, was ihre Fans von ihr erwarten. Jeder andere wiederum wird sich auch kaum überrascht fühlen und das Album als weitere nette, typisch Beyoncé’sche R’n’B-Scheibe wahrnehmen. „4“ stört nicht, weiß sogar im Grunde in seiner poppigen Unauffälligkeit zu gefallen, aber rauscht halt auch einfach so vorbei.

Andererseits ist es aber auch eine ziemlich seltsame Angelegenheit. Da gibt es fast progressive Black-Music wie in der Adaption von Major Lazers „Pon De Floor“ namens „Run The World (Girls)“, der Vorabsingle, die sich als weibliche Ermächtigungsmusik gibt, und dann erklingt aber gleich zu Beginn mit „1 + 1“ Wohlfühlsoulpop ohne irgendwelche Eigenständigkeit, der die holde Zweisamkeit von „Dir und Deinem Mann“ feiert.

Mögen dies auch die beiden großen Gegensätze des Albums sein, verwirrt noch eine weitere Eigenschaft. Stücke wie „Run The World“, „End Of Time“ und „Countdown“ punkten mit progressiven Dance-Rhythmen, Kanye und André 3000 prägen „Party“ mit Beats und Rhymes und auch „I Miss You“ weist durchaus einen interessanten Beat vor, die meisten Stücke auf „4“ aber treiben etwas voran, was schon immer in Beyoncés Schaffen durchschien. Dies ließe sich einerseits deuten als schwarze Wiedervereinnahmung einer in den 1970er Jahren von Billy Joel, Todd Ruddgren und Elton John vorgenommenen Bleichung des Soul, ist aber tatsächlich vor allem eine ganz gegenwärtige Weißspülung der Black Music. Wie auch die beiden großen Gegensätze Ermächtigung/Wohlfühl und Progressivität/Radiotauglichkeit optimiert dies die Zielgruppe, indem auf perfekte Art die weiße Mittel- und Oberschicht im westlichen Kulturraum angesprochen wird. Black-Music-Beats und weiße Soul-Harmonien lassen „jeden“ glücklich werden.

Somit finden sich auf „4“ zwölf Ohrwürmer wieder, von denen jedes Stück als Single taugt und Charterfolg garantiert – hymnische Mitsingnummern, die jedes emotionale Mittel populärer Musik nutzen und damit auch den erwünschten Erfolg haben. Das ist seicht, in gewissem Maße scheinheilig und damit ziemlich eklig. Nichtsdestotrotz weiß „4“ auf perverse Art zu gefallen – und unterscheidet sich in all diesen Charakteristiken nicht von 80 Prozent des bisherigen Knowles-Oeuvres.

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