Miles Kane – Colour Of The Trap

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Es wird sicher kaum jemand bestreiten, Psychedelic Rock habe zu Recht eine große Popularität bei Musikern wie Musikhörern. Neben der rohen, energetischen Variation begeistert insbesondere die poppige, ohrwurmgarantierende Spielart seit den Zeiten der Beatles. Irgendwo zwischen diesen beiden Polen haben Oasis in den letzten Jahrzehnten für Begeisterung und Langeweile gesorgt. Miles Kane versucht auf seinem Solo-Debüt nun das Rockig-Psychedelische mit seinen bei den Last Shadow Puppets gemachten Erfahrungen im Schreiben von ausladenden Beat-Pop-Nummern zu verbinden. Schrammelnd, soulful und poppig erklingt das, verströmt einen gewissen Mark-Ronson’schen Retro-Charme und gelingt unter Mitwirkung Dan The Automators, Gruff Rhys‘ und des Wirbelwinds Eugene McGuiness zumeist ganz gut. Es ist nett. Es ist glatt geleckt. Weder werden die poppigen Momente vollkommen ausgelebt, noch werden die nötigen, sich in Gehör und Gedächtnis einhakenden Akzente gesetzt.

Wie so manches Werk von Oasis – mit deren Beady-Eye-Resten er im Februar auf Tour war – bezieht sich hier vieles oder fast alles auf Vergangenes, auf die naheliegenden und ferneren Vorbilder. Dies gilt sowohl für die ruhigeren Stücke (wie das abschließende Lennoneske Titelstück) oder die riff-lastigeren – wie z.B. „Better Left Invisible“ oder das schon als Single veröffentlichte „Inhaler“. Diese Stücke sind routiniert und gut, aber zwingen in keiner Weise zur Aufmerksamkeit. Zwar lässt das Album-untypische „Inhaler“ zunächst aufhorchen, aber mehr aufgrund der in gewisser Weise penetranten Vocals und Riffs und nicht, weil es so ein interessanter Song wäre. In der Mitte des Albums – als Start der B-Seite – platziert, macht dieser Weckruf aber auch klar, dass die vorhergehenden zwanzig Minuten zwar nett waren, aber im Grunde doch ohne Spannungsmomente am Hörer vorbeiplätscherten. Bei allem Wohlklang, der sich auf der A-Seite zwischen dem eröffnenden Rolling-Stones-Soulrock von „Come Closer“ und dem Ohrwurm-60s-Pop „Quicksand“ verbirgt, nachhaltig ist hier nichts wirklich. Beispielhaft für diese Nebensächlichkeit der Albummehrheit sei „Rearrange“ erwähnt, dessen eingängiger 60s-Pop ungefähr so fesselt wie eine durchschnittliche Oasis-Single der 2000er Jahre. Noel Gallagher selbst wiederum steuert einige Gesangszeilen zu „My Fantasy“ bei, einer ungemein weichgespülten Interpretation von 1970er-Jahre-Glam-Rock im Stile Marc Bolans. Natürlich ist das nett anzuhören, und im Hören genießt man es auch, aber anders als Kanes Kooperation mit Alex Turner, unter deren Stücken zum Beispiel „Counting Down The Days“ kaum aus dem Rahmen fiele, berühren diese Lieder emotional kein bisschen.

Aus dem harmonischen Fluss sticht vor allem das schunkelnd-kitschige „Take The Night From Me“ heraus. Tempo- und Harmoniewechsel sorgen für Spannung und machen das Stück zu einem potentiellen Ohrwurm. „Kingcrawler“ andererseits besitzt als Mischung aus Italo-Western-Soundtrack und Surfpop alle Bestandteile eines potentiellen Hits, Gruff Rhys und Miles Kane schaffen es jedoch nicht, sie effektiv und gewinnbringend in Szene zu setzen, so dass sie nicht einmal über die kurze Drei-Minuten-Popsong-Länge trägt. So bleibt alles in allem von „Colour Of The Trap“ nichts hängen und man fragt sich: War da was?

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