Kakkmaddafakka – Hest

am

Bergen in Norwegen ist eine der regnerischsten Städte Europas. Warum das so ist, ließe sich grob in 150 Worten erklären, lenkt aber vom Thema ab. Als weitere Anekdote, Bergen betreffend, kann angemerkt werden, dass der Schreiber dieser Zeilen eigentlich, wenn das Leben einfach wäre, seit acht Monaten in Bergen arbeiten würde. Was das mit Kakkmaddafakka zu tun hat? Nicht viel außer, dass die fünf Feiertiere, wie auch ihr Produzent Erlend Øye, eben aus Bergen kommen.

Auf ihrem ersten Album „Hest“ – was wohl so viel wie Fest heißt – packen die fünf Kakkmaddafakkas alles aus, was im letzten Jahrzehnt an Indiepop die Massen begeisterte. Die Bezüge reichen tatsächlich von Phoenix über Franz Ferdinand bis Vampire Weekend und alles durchströmt dabei Erlends Geist oder diese einzigartige Whitest-Boy-Alive-Intensität. Das heißt, instrumental produziert ist das Album doch tanzbar wie House. Klingt es nach Dancepunk, nach Postpunk, nach Pop, nach Ska oder nach Afrobeat, immer hat das Album diesen angenehm analogen Charakter. Man könnte der Band vorwerfen, sie käme mit allen vertretenen Stilen mindestens ein Jahr zu spät; tatsächlich drängt sich dieser Vorwurf zu Albumbeginn geradezu auf, ist „Restless“ doch vordergründig eine beschleunigte, weichgespülte Postpunk-Nummer, die so nicht von Franz Ferdinand präsentiert, aber zumindest geschrieben sein könnte. Aber schon die Klarheit von und die implizite Melancholie in „Your Girl“ zeigt, dass hier zwar die Indiedisco in jederlei Hinsicht Pate gestanden hat, dass das Bestreben der Band, eine gute Zeit zu haben und zu bescheren, aber über ein reines Kopieren hinausweist. Das verstärkt der zwar manchmal platte, aber absolut überzeugende Humor der Texte, selbst wenn der im swingenden und rockenden „Touching“ der Musik fast schadet. Spätestens das treibende Instrumental „Heidelberg“ sollte die Hörer überzeugen, dass hier vordergründig mit einfachsten Mitteln, ein absolut begeisterndes Album vorgestellt wird. Die Spielfreude, die dies von einem Auftritt in Heidelberg inspirierte Stück verströmt, gibt selbst aus der Plattenkonserve einen Eindruck der Live-Qualitäten der Band. Wie schon in „Touching“ kaschiert die humorige Inszenierung auch im Skafunk „Gangsta“ ein wenig die prinzipiellen Stärken des Songwritings, im Endeffekt können diese sich aber doch durchsetzen und versetzen in Körperbewegung. Das trashig surfende, an „Tom und Jerry“-Cartoons erinnernde „Drø Sø“ beschließt dies Album und macht mit seinem Titel – der so viel wie „verkatert“ bedeuten soll – klar, wie der Hörer sich nach Genuss dieses Festes fühlen wird.

Nicht nur, weil einer der Hits des Albums („Self-Esteem“) die Indiefizierung des Afrobeat durch Vampire Weekend aufgreift, bestände durchaus die Möglichkeit, dass Kakkmaddafakka deren Nachfolger werden als jedermanns Liebling. Streit könnte es allerdings geben, ob „Hest“ nun wirklich nett, großartig oder absolut umwerfend ist. Die verbreitete Stimmung und das dauerhafte Grinsen, welches das Album aufs Gesicht zaubert, sprechen für letzteres, aber einzelne Zweifel bleiben. Ganz offensichtlich gilt: Regen macht lustig – zumindest in Verbindung mit Bergens Landschaft.

Advertisements