Gil Scott-Heron & Jamie XX – We’re New Here

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Enttäuschung ist ein schlechter Ratgeber, ein schlechter Ausgangspunkt für das Schreiben einer Rezension, aber es muss wohl vorweg genommen werden, dass Unzufriedenheit die prinzipielle Regung ist, die einen durchströmt im Hören der Remix-Behandlung, die Jamie XX Gil Scott-Herons 2010er Album „I’m New Here“ zuteilt. Das Grandiose, welches das Original in Teilen durchzog und das zudem Jamie XX‘ bisherigen Remix-Arbeiten vielfach innewohnte, fehlt hier nahezu vollkommen. Scott-Herons Album und Jamie XX‘ bisherige Handschrift ließen auf etwas hoffen, das in der Qualität irgendwo zwischen Burials „Untrue“ und James Blakes „Klavierwerke EP“ hätte liegen können. In keinem Fall war mit etwas so Unscheinbarem zu rechnen, wie es nun in Form von „We’re New Here“ vorliegt. Selbst realistischere Erwartungen, die sich zum Beispiel an 4heroes‘ Kooperationen mit Ursula Rucker orientieren, werden hier enttäuscht, wobei diese Spoken-Word-meets-UK-Bass-Tracks natürlich die richtige Referenz darstellen. So jedoch ist „We’re New Here“ angenehme Hintergrundmusik und nicht mehr. Loungig unterkühlt jedoch funktioniert es auf dem Niveau eines entsprechenden Chill-Out-Samplers oder solcher, das heißt aber auch schwächerer Stücke von 4hero.

Nett, also nicht mehr? Tatsächlich gibt es Momente im Verlauf des Albums, die belegen, dass die gehegten Erwartungen nicht unberechtigt waren. „My Cloud“ zum Beispiel zeigt, wie sich der sanfte, klare Soul in Scott-Herons Stimme kongenial mit zeitgemäßen Dubstep-Arrangements verbinden kann, selbst wenn diese durchaus klischeehaft erklingen. Diese Blaupause wird auch in „Ur Soul And Mine“ in Teilen angewandt, dass aber zudem auf jazzy Broken-Beat-Clubklang getunt daherkommt – und durchaus zu gefallen weiß. Hektisch flickernd und flackernd erklingt „NY Is Killing Me“ und gibt sich als astreine Clubnummer, die hier nicht wirklich in den Albumkontext zu passen scheint, aber als alleinstehender Track überzeugt. Am besten gelingt sicherlich das abschließende „I’ll Take Care Of You“, das – und hier ist der Vergleich zu Ursula Rucker und 4hero erneut angebracht – die Quasi-Spoken-Word-Performance mit einfachen und reduzierten Arrangements verbindet. Piano und subtiler Beat akzentuieren Scott-Herons Stimme, sorgen für rhythmisches Kopfnicken und beschleunigen in einer den Körper animierenden Art und Weise. Die enttäuschten Erwartungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier schon eine weitgehend natürliche Verbindung eingegangen wird zwischen Gil Scott-Heron und Jamie XX, die in ihren Einzelteilen durchaus gelingt, die aber an vielen Stellen zu viele Chancen ungenutzt liegen lässt, um vollständig zu überzeugen.

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