Feist – Metals

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„1,2,3,4“ zählte sich Leslie Feist in die Herzen von Kindergartenkindern, Hipstern und eigentlich jedem. Vier Jahre nach dem zugehörigen Album „The Reminder“ erscheint der Nachfolger „Metals“. Vom kanadischen Dreigestirn Mocky, Gonzales und eben Feist an der kalifornischen Pazifikküste geschrieben bleibt alles beim Alten und ist doch vieles anders.

Über den Pop-Erfolg von „The Reminder“ lässt sich leicht vergessen, dass Leslie Feists Musik dem Folk entspringt, dass hier eine Singer/Songwriter-Einstellung wirkt, die allerdings wenig mit Weird- oder Neo-Folk gemein hat, sondern eher direkt bei Joni Mitchell anschließt. Dieser ästhetischen Verwandtschaft entsprangen auf „The Reminder“ schillernde Schönheiten, die Feists Gesangstil, ihr Ziehen der Laute in den Mittelpunkt stellten. Die Stücke schwebten und leuchteten je nach Stimmung im hellen Licht der Mittagssonne oder den romantischen Farbenspielen von Auf- und Untergang.

All dies gibt es auch auf „Metals“. So könnten „The Circle Married The Line“ oder „Bittersweet Melodies“ im Grunde direkt vom Vorgänger stammen. Was beide Alben unterscheidet, ist die heute jederzeit stärkere rhythmische Akzentuierung, ein prominenterer Einsatz des Schlagzeugs. Dazu kommt eine gewisse Hinwendung zu einem traditionellen amerikanischen Klang, der zwischen Rock, Rhythm’n’Blues, Gospel oder gar Country beheimatet, aber nie ganz eindeutig zu benennen ist. Das Singen der Gitarren, das es begleitende Schlagzeugspiel – beides verströmt eine raue Romantik, die in „Anti-Pioneer“ von den Streicherarrangements noch betont wird. Weniger eine Unterscheidung vom Vorgänger als einfach hier noch prominenter in Szene gesetzt, ist die Verwendung von Hall. Hallender Gesang, hallende Instrumente erwecken den Eindruck von Weite (man höre nur „Undiscovered First“), in welcher die rohere Energie der Arrangements, das Erdige der Stücke wirkt.

Überhaupt ist dies vielleicht der entscheidende Unterschied, die größte Errungenschaft auf „Metals“: Die Stücke erden den schwebenden Glanz des Vorgängers. So erklingt das Album mal countryesk, gospelig, mal brachial vorwärts stürmend, mal zärtlich umhüllend, rockend, groovend, roh, jauchzend, betrübt, ja gar liebevoll. Jetzt wühlt es auf, und gleich beruhigt es. Der einfache, flirrende Zauber des Vorgängers wird durch treibende Intensität ergänzt. Wenn – besonders in der ersten Albumhälfte – die Stücke wirken, als sei ihr impliziter chaotischer Krach nur mit Mühe gezügelt und in ein Songgerüst gezwängt worden, verströmen sie eine direkte, eine lebendige Natürlichkeit.

„Metals“ ist keine Kopie von „The Reminder“. Aber dennoch erscheint es einem sehr schnell vertraut. Wären beide Alben Bilder, so sähe man jeweils das gleiche Motiv, doch die Blickwinkel unterschieden sich wie auch die Mittel. Die digitale HD-Aufnahme „The Reminder“ wird durch die nachgefärbte Schwarz/Weiß-Aufnahme „Metals“ ergänzt. Im Klartext: Feists neues Album ist in jedem Augenblick bezaubernd und musikalisch in manchem Moment vielleicht sogar noch spannender als ihr bisheriges Schaffen.

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