Amon Tobin – Isam

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Nach seinem letzten Album, dem Meisterwerk „Foley Room“, präsentiert Amon Tobin nun „ISAM“. Als wäre die Last des Vorgängers nicht schon schwer genug, wird dies Album mit Megalativen beworben und mit der Aussage, habe man es gehört, werde alles, was darüber geschrieben worden sei, irrelevant. Klangzauberer Tobin hat solche zur Übertreibung neigenden Lobeshymnen jedoch gar nicht nötig um zu zeigen, dass seine elektronischen Klangwelten zwischen Jazzrhythmik und Bass, zwischen Drum’n’Bass, TripHop und Ambient, zwischen experimentellen Klangwelten und impliziter Tanzbarkeit zu den Spektakeln im Musikgeschäft gehören.

Auf „ISAM“ baut Tobin – dessen Arbeitsweise auf der Bonus-DVD zu „Foley Room“ beeindruckend eingefangen wird – aus Feldaufnahmen chaotische, nahezu indeterministische Konstrukte, in denen Aggression und Ruhe, Spannung und Langeweile, Basseinschläge und ambiente Flächen, Tiefe und Oberflächlichkeit in jedem Moment gegeneinander antreten. Wo sein letztes Album neben der Faszination an seiner Arbeitsweise auch von einer ungemeinen Hörbarkeit getragen wurde, wo also das Ergebnis des Experiments voller Emotion war, dominiert auf „ISAM“ zumeist die reine Aneinanderreihung von Klängen. Der den Feldaufnahmen entlockten Musik fehlt das Gefühl weitgehend, kaum ein Track wirkt als Stück zwingend oder auch nur in sich geschlossen. Die zwölf Tracks strotzen vor großen Momenten, zwischen diesen einzelnen Augenblicken aber ist keine Verbindung zu finden. Die Bässe pumpen, die Soundeffekte erstaunen und – in den besten Phasen – begeistern sogar, aber der Gesamteindruck der meisten Tracks und des Album als Ganzem ist der eines künstlerischen Experiments, das interessant ist, aber schnell vergessen wird. So rauschen Tobins Klänge eine halbe Stunde an einem vorbei, bis „Kitty Cat“ als jazzig verrauschter Soulhop erklingt und „Bedtime Stories“ zarte Spieluhrklänge auf atomare Bassbomben treffen lässt. Das aber sind tatsächlich die einzigen auffallenden und vollkommen überzeugenden Ausnahmen auf „ISAM“.

So ist am Ende festzustellen, dass jeder, der an Klangzaubereien interessiert ist, die sich implizit zur Tanzfläche orientieren, die zu den großen Momenten elektronischer Musik gehören, sich Tobins letztes Album „Foley Room“ kaufen sollte. Nur wer an abstrakten Klang-Experimenten in allerletzter Konsequenz interessiert ist, sollte dagegen zu „ISAM“ greifen.

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