Secret Cinema – Minerals

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Inspiriert von den Materialeigenschaften gewisser Mineralien soll „Minerals“ sein, Secret Cinemas erstes Album auf dem eigenen Label „gem records“. Jeroen Verheij – aka Secret Cinema – präsentiert seine Tracks – die (Halb-)Edelsteine und weiteren Materialien – dabei als Mix-CD. Somit gerät das Album zum Versuch, den Ablauf und die Spannungsmomente einer durchschnittlichen Clubnacht einzufangen.

Als dem Techhouse oder gar dem Hard Techno verpflichtetem Künstler steht in dieser entworfenen Nacht natürlich nicht wirklich die minimalistische und auch nicht die tief atmosphärische Spielart des Techno im Mittelpunkt, sondern Bässe und Beats im „Four to the Floor“-Takt beglücken vor allem die weniger zartbesaiteten Gemüter. So führt das ambiente „Intro“ auf die falsche Fährte, selbst wenn die flächige Harmonie der Eröffnung im ersten Albumdrittel immer mal wieder nach vorne zu dringen vermag. Spätestens ab „Calcite Night“ zielt „Minerals“ direkt auf die Zwölf. Rave- und Acid-Signale zeigen den Weg. Wird das Tempo gedrosselt oder die Wirkung der Beats etwas weniger offensiv angelegt, so dient dies nur der notwendigen Atempause.

Für Freunde der härteren Techno-Spielarten ist „Minerals“ ein natürliches Fest. Interessanterweise könnten aber selbst dieser Musik nicht so zugeneigte Hörer elektronischer Tanzflur-Klänge insbesondere am ersten Albumdrittel Gefallen finden. Auch hinterher entfalten die Tracks in ihrer körperbetonten Offensive eine beeindruckende Intensität. Fast ungewollt setzen sie in Bewegung und nehmen gefangen. Dies beruht auf Verheijs Talent, die Stücke in all ihrer Härte nicht platt in Szene zu setzen, sondern ihnen musikalisch Tiefe und Spannung zu verleihen. Diese Fähigkeit wird allerdings besonders deutlich in den atmosphärischen, ambienten Stücken wie dem „Intro – Exploration“ und der späteren als „Interlude – Passage“ bezeichneten Nummer sowie dem abschließenden „Ruby FM“.

Während die erste CD als Mix härterer Techhouse- und Techno-Variationen daherkommt und im Zeichen von Mineralien und (Halb-)Edelsteinen steht, präsentiert die zweite CD die Bearbeitung dieser Materialien, ihre Erzeugung und den Umgang mit ihnen in der schon gelobten ambienten Inszenierung. Auch hier ist nicht alles zwingend. Zwar erreichen „Separating“ und „Colliding“ außergewöhnliche Qualitäten, aber die nachfolgenden, als „Composing Elements“ zusammengefassten Stücke sind tatsächlich nur dies: Elemente, Einzelteile, Bruchwerk. Vermutlich soll diese zweite CD in gewisser Weise wie „Music For Real Airports“ von The Black Dog funktionieren, dies schafft sie jedoch nicht. So bleibt alles in allem ein extrem zwiespältiger Eindruck. Vieles nahezu Großartige steht auf „Minerals“ direkt neben fast Störendem.

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