Seasick Steve – You Can’t Teach An Old Dog New Tricks

am

Amerikanische „Volksmusik“ umfasst so unterschiedliche Genres wie Rhythm’n’Blues, Blues, Gospel, Country, Bluegrass oder Folk, die jedoch in ihrer Kombination oder in ihrer Wechselwirkung sehr ähnliche Effekte beim Hören auslösen können. Insofern ist es kein Wunder, dass Seasick Steve aka Steven Gene Wold zwar traditionell als Blues-Musiker gesehen wird, auf seinem neuen Album aber im Grunde all die erwähnten Stile einbindet. Zusammen mit Drummer Dan Magnusson steht Seasick Steve in einer musikalischen Liga mit Acts wie The White Stripes oder Two Gallants. Led-Zeppelin-Bassist John Paul Jones trägt auf dem neuen Album „You Can’t Teach An Old Dog New Tricks“ dazu bei, dass auch die Intensität der Musik White-Stripes’sche oder gar Led-Zep-Ausmaße annimmt.

Als solche Mischung aus Country, Gospel und Blues und mit dieser Kraft des Rhythm’n’Blues in seiner rockenden und psychedelischen Spielart erschließt sich „You Can’t Teach…“ vom ersten Moment. Selbst wenn „Treasures“ mit Fiedel und Banjo die Platte ruhig eröffnet, nimmt die Atmosphäre des Stücks, nehmen Melodie, Arrangement und Wolds Gesang sofort gefangen. Die Stärke des Albums, die Kraft der präsentierten Musik verdeutlicht dann der Gegensatz zwischen dieser reduzierten Eröffnung und der aggressiv treibenden Energie des nachfolgenden Titelstücks, das Wold, Magnusson und John Paul Jones zu einer ausufernden musikalischen Erfahrung machen. Die gleiche Dynamik besitzen „Don’t Know Why She Love Me But She Do”, „What A Way To Go“ oder „Party”, wobei der psychedelische Klang der letzten beiden Stücke wohl von der von Wold verwendeten Gitarre, der „3-String Trance Wonder“, herrührt. Doch all diese Songs werden übertroffen von “Back In The Doghouse”, bei dem erneut John Paul Jones das Duo Wold-Magnusson unterstützt. Der Blues, in seiner nahezu esoterischen Spoken-Word-Ausprägung findet sich mit „Burnin‘ Up“, während das von Wolds Sohn Paul Martin geschriebene und begleitete „Whiskey Ballad“ ziemlich klassisch countryesk erklingt, aber jeden Two-Gallants-Fan glücklich machen sollte. Zu den Höhepunkten des Albums gehören sicherlich die Bluegrass-inspirierten Momente von „Have Mercy On The Lonely“ und „Underneath A Blue And Cloudless Sky“.

Weite Teile des Albums dominieren die ungemeine Energie und die treibende Dynamik, die Seasick Steve dem Blues und all den anderen Stilen zu entlocken versucht. Die Krönung dieses Albums ist jedoch tatsächlich ihr Abschluss. „It’s A Long Long Way“ ist ein fantastisches Stück geweißter amerikanischer Volksmusik. John Paul Jones‘ Mandolinenspiel, die Fiedel Georgina Leachs und der unprofessionelle Chorus des Aufnahmestudios setzen Seasick Steves Songwriting und Gesang außerordentlich und begeisternd in Szene. Es wäre falsch, das Album auf diesen Song zu reduzieren, aber tatsächlich wird dieser Albumabschluss eine ganze Weile im Gedächtnis und Gehör des Konsumenten verbleiben.

Advertisements