Biodub – Reisegefährte

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Einfach, simpel. Reduziert, Effizient. Pure Perkussion des Beats. Dies sind Attribute, die auf Biodubs Album „Reisegefährte“ zutreffen. Der norddeutsche Produzent und DJ legt eine Platte vor, die erstaunt in ihrer Klarheit, ihrer Unaufgeregtheit und darin, wie effektiv hier der Körper in Bewegung gesetzt wird, wie sehr das Album gefällt, trotz seiner reduzierten Inszenierung, seiner Schmucklosigkeit und seiner vordergründigen Einförmigkeit.

Minimalistisch in Szene gesetzt, gehen die Beats sofort in Mark und Bein. Treibend, hüpfend und vibrierend nehmen Basslines, Soundeffekte und dubbiges Arrangement sofort gefangen. In all der präsentierten Einfachheit geht nie die nötige Spannung verloren. Einerseits vertraut Biodub beim Setzen von Akzenten auf die einfachen Tricks der Tanzfläche – der Bass wird rausgenommen und nach der richtigen Zeitspanne wieder eingefügt –, andererseits folgt die Intensität der Arrangements aber auch aus eher überraschenden Mitteln. Das perfekte Überlagern von verschiedenen Takten und Geschwindigkeiten, die – zwar auch eher typische, aber doch hier außergewöhnlich geschickte – Verwendung von analogen Instrumenten und Feldaufnahmen sowie die besonders harmonische Variation der taktgebenden Perkussion machen aus „Reisegefährte“ eine äußerst kurzweilige Platte.

Deren größte Stärke besteht sicherlich in der organischen, natürlichen Klangkulisse. Die synthetische, künstliche Musik Techno erscheint hier nahezu nachhaltig ökologisch. Der beste Techno verlässt sich auf körperliche Geschwindigkeiten, verführt dazu, Herzschlag und Atmung mit seinem Takt zu synchronisieren. Dies gelingt hier mehr als einmal. So hat die Albumpromotion tatsächlich recht: „Reisegefährte“ ist tatsächlich gemacht, um auf freiem Feld in der Natur dazu zu tanzen.

In der Gesamtheit der Platte fällt „Dead Rider“ in der Variation der Rhythmen auf und in der atmosphärischen Intensität seiner Inszenierung, die nicht nur auf den aufsteigenden Gitarrenklängen beruht. Die Hypnose des Hörers, die bereits das eröffnende „Barracuda“ mit seiner monotonen Taktgebung erreicht, vertieft „Reminder“, wobei das Stück durch die scheinbare Hektik des Beats gewinnt. „Subsistence“ wiederum erklingt als immer weiter sich verändernde Technoreise. Mit am meisten verliert sich der Hörer jedoch in den knisternden Weiten von „Palmskin“. Dagegen erklingt „This One 17“ einfach als Hit – des Techno an sich – und auch „Massive Central“ läuft unter dieser Rubrik. „Reisegefährte“ ist in seiner unscheinbaren Einfachheit eine Überraschung. Der präsentierte dubbige Techno begeistert und nimmt gefangen, ohne dass man gleich erfassen könnte, wieso.

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