Vivian Girls – Share The Joy

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Denk ich an Brooklyn in der Nacht, … oder zu jeder anderen Tageszeit, fallen mir vor allem Animal Collective und all die anderen eher experimentell orientierten Bands ein, deren Platten mit einem gewissen Maß an Boshaftigkeit als Kunsthochschulmusik bezeichnet werden könnten. Natürlich ist dies eine Verengung der Blickweise und eigentlich wäre der korrekte Gedanke der an eine außergewöhnlich vielseitige Szene.

Ebenfalls in Brooklyn beheimatet sind die Vivian Girls – dieser Tage bestehend aus Cassie Ramone, Fiona Campbell und Kickball Katy. Die drei haben mit Animal Collective zwar die Leidenschaft für Beach Boys und Surfmusik gemein, dies binden sie jedoch in eine hochansteckende Mischung aus Pop, Noise und Lo-Fi-Punk ein. Zwischen Phil-Spector-Klang und Sonic Youth präsentieren sie auf ihrem neuen Album „Share The Joy“ zehn wohlklingende, in Momenten ekstatisch stimmende Perlen. Das Stürmische und Unsaubere von Garagenrock trifft auf perlenden Harmoniegesang.

Das mag einmal träge-melancholisch erklingen, ein andermal luftig leicht voran stürmen und sogar zum Tanzen auffordern, besonders jedoch überzeugt das Gespür für Melodien und die treibende Lebendigkeit der Arrangements, wenn das Stürmische und das leicht Düstere ein bestimmtes Gleichgewicht einnehmen. In dieser Balance machen die Vivian Girls aus „Lake House“ ein nahezu perfektes Stück Musik. Kaum schlechter, aber auf andere Weise, gelingt auch „Sixteen Ways“ großartig als zerstört noisiger Pop. Aus der deutschen Perspektive heraus muss natürlich angemerkt werden, dass ein Stück wie „Take It As It Comes“ klingt, als hätten die Lassie Singers es in den 1990ern eingespielt und sei es jetzt auf Umwegen in New York wiederaufgetaucht.

Die Schönheit der Sammlung von kurzen Popnummern namens „Share The Joy“ wird eingerahmt von zwei nahezu epischen Stücken. Zu Beginn zieht „The Other Girls“ langsam, aber unaufhaltsam in seinen Bann, während am Ende „Light In Your Eyes“ frickelnd und rockend, stürmisch und hinterlistig stolpernd aus dem Album rauswirft. Das Geheimnis dieser Platte mag sein, dass sie den Hörer tatsächlich einfach teilhaben lässt am Spaß der Band an ihrer Musik. Die Energie der Vivian Girls und ihrer Musik, der Wohlklang und der ungemeine Pop-Appeal ihrer Musik tun vor allem eins: unterhalten.

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