The Human League – Credo

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Wenn die Meister des Synthiepops mitten im Revival des Genres ein Album veröffentlichen, könnte man hoffen, sie würden all ihren Epigonen zeigen, wo der sprichwörtliche Hammer hängt. Wenn das Album dann zwischen Madonnas Version des typischen Synthie-Klangs und einer einfach nur durchschnittlich zeitgemäßen Produktion pendelt, kann schon mal gezweifelt werden, ob dies auch nur einen Hauch von Relevanz hat. Ja sicher, The Human League sind Legenden, aber nichtsdestotrotz sollte Kritik erlaubt sein und das neue Album verdient Kritik. The Human League bekennen mit dem neuen Album ihren Glauben. „Credo“ – „ich glaube“ – heißt das Album, doch was soll hier geglaubt werden?

Die Werbung sagt (sinngemäß), die erste Single – und Albumeröffnung – „Never Let Me Go“ sei ein Clubhit für die Vorstadt. Vermutlich ist damit die Großraumdiskothek in der Trabantenstadt gemeint, denn der klinisch kalte Autotune-Pop hat sicherlich alle Bestandteile, um in solchen Locations zu zünden. Freundlich formuliert ist es ein Hit, der Madonna- und Kylie-Fans beglückt. Aber gerade deshalb ist es halt auch vollkommen unspektakulärer, zeitgemäß aufgemotzter 80er-Pop. Das potentiell Mitreißende wird durch die latente Peinlicheit von Klang und Arrangement massiv geschmälert. Ähnlich ergeht es der Mehrzahl der Stücke. Im Prinzip schon ganz nett, aber immer mit dem Eindruck, hier würden auf billige Weise die großen Vorbilder kopiert, statt dass erkannt werden könnte, es handelt sich um die Vorbilder selbst. Wenn die mangelnde Eigenständigkeit der Stücke sich dann noch mit echter Langeweile verbindet wie im äußerst drögen „Sky“, wird das Glaubensbekenntnis zum Non-„Credo“. „Into The Night“ erscheint fast wie „Sky“s (bessere) Schwester, aber immerhin unterbleibt die Langeweile. Wie vieles auf diesem Album stampft das Stück synthetisch poppig vor sich hin, funktioniert vermutlich ebenso im Radio wie live wie in einer durchgemachten Nacht und gelingt in Verbindung mit dem typischen 1980er-Jahre-Gesang als äußerst gefälliger, aber eben doch nur wenig interessanter Hit.

Unter den gleichklingenden 80er-Hits auf „Credo“ mag unter Umständen „Get Together“ mit seinem monoton peitschenden Beat noch zu den Höhepunkten zählen. Einer der wenigen wirklichen Hits des Albums ist jedoch „Egomaniac“, das stark an einen housigen Remix eines Stücks der Pet Shop Boys erinnert. So ergibt sich, dass trotz des Hit-Charakters einmal mehr ein Gefühl des „Kenn ich doch schon“ verbleibt. Ähnliches ließe sich über „When The Stars Start To Shine“ formulieren, welches das Album beschließt. Allerdings schleichen sich hier erstmals Unreinheiten im Klang in die desinfizierte Reinheit des Albums ein, so dass die eher simpel gestrickte Nummer durchaus eine gewisse Spannung entfalten kann.

Erschreckend ist, dass in der überwältigenden Unscheinbarkeit des Albums am Ende kaum etwas auszusetzen ist, so im Jetzt ist das Album verortet, so kompatibel mit Club – nicht nur der Großraumdisko – und Radio – nicht nur Formatradio – ist das Album. Das heißt auch, dass „Credo“ im Gegensatz zu I Blame Cocos „The Constant“ erfolgreich auf dem Grat zwischen Peinlich und Cool balanciert, nur leider die nötige Innovation oder Außergewöhnlichkeit vermissen lässt. Wie oben schon angemerkt, klingt fast jede Nummer wie ein relativ geschicktes Plagiat verschiedenster Quellen. Einfach billig, aber auch einfach gefällig.

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