Six Organs Of Admittance – Asleep On The Floodplain

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Sechzig Jahre Folkmusik und immer noch können die Singer und Songwriter des Genres die Hörer verzaubern und überraschen. Einer der sich weitgehend auf wenige Instrumente und die Gitarre als Zentrum beschränkenden Künstler der traditionellsten aller weißen Popmusik ist Ben Chasny, der nun mit „Asleep On The Floodplain“ den Nachfolger zum 2009er Album „Luminous Night“ seines Projekts Six Organs Of Admittance vorlegt.

Zwischen kurzen Miniaturen und dem epischen „S/Word And Leviathan“ verzaubert er mit zart-luftigen Melodien und bedrängt mit akustischem Dröhnen und Vibrieren. Obwohl die Stücke stilistisch vielfältig sind und harmonisch von tragischem Moll zu erhebendem Dur hin und her wechseln, wirkt das Album geschlossen, wozu vor allem die eher beschauliche Inszenierung der Stücke, ihr durchgängig eher zurückgenommenes Tempo beiträgt.

Tatsächlich ist erwähntes, zwölfminütiges „S/Word And Leviathan“ vielleicht das schwächste Stück des Albums. Sein im Grunde übermäßig ausgewalztes, orientalische Meditation verbreitendes Arrangement vermag nicht dauerhaft zu fesseln und dennoch verströmt es eine gewisse Faszination, funktioniert es gut als besinnliche Begleitung. Selbst in seiner Überlänge zeigt es prinzipiell Chasnys Talent für gelungene Spannungsbögen und erlaubt immer wieder, neue Dimensionen in ihm zu finden. Das Kontemplative dieses Stückes findet sich im Verlauf des Albums häufiger, wenn auch weniger kolossal. Sowohl „A New Name On An Old Cement Bridge” als auch „Brilliant Blue Sea Between Us” greifen den grundlegend instrumentalen Charakter von „Leviathan“ auf und fordern ähnlich auf, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Dieses Nach-Innen-Gerichtete der Musik wird gedämpft, sobald Gesang hinzukommt, und die Stücke gewinnen dadurch. So verströmt „Dawn, Running Home“ zwar eine ähnliche Stimmung wie zuvor genannte Nummern, erscheint aber weniger schwer, weniger gezwungen und somit lohnender. Ähnlich gewinnt „River Of My Youth“ in seiner prinzipiell trägen Entfaltung durch den vereinzelten Gesang und Elisa Ambrogicos säuselndes Hauchen. Die Düsternis, die Aufforderung zur Selbstfokussierung nimmt im Laufe des Albums immer mehr zu. So verschwinden über die Stücke hin die lichten, erhebenden Momente. Diese überzeugen aber dennoch am meisten und sei es nur, weil sie vom Hörer herbeigesehnt werden. Die zärtliche Schönheit von „Hold But Let Go“, die Minatur „Poppies“ und „Light Of The Light“ sind absolut unerlässlich, um die implizite Dunkelheit der später präsentierten Folkexperimente zu ertragen. Die Verbindung beider Albumseiten bildet „Above A Desert I’ve Never Seen“, das nicht nur das Album eröffnet, sondern eben in dieser Zusammenführung von Leichtigkeit und Schwere, Düsternis und Sonnenaufgang auch zu den Höhepunkten der Platte gehört. Alles in allem vermag vielleicht die Langsamkeit der Entfaltung vieler Stücke nicht zwangsweise die beabsichtigte Spannung zu erzeugen und doch wohnt den Stücken auf „Asleep On The Floodplain“ eine erstaunliche Intensität inne.

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