Samba – Die Ekstase der Möwen

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Die Geschichte von Samba ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Zunächst irgendwie der Hamburger Schule zugerechnet, obwohl sowohl räumlich als auch musikalisch fern davon, heute von einem überambitionierten Promozettelschreiber in die Nähe von The Postal Service gerückt, was vermutlich vor allem erboste Anmerkungen der Postal-Service-Fans hervorrufen dürfte, denn die Einbindung von elektronischen Effekten in ein (Indie-)Deutschpop-Album macht daraus noch lange kein zweites oder deutschsprachiges „Give Up“.

Dank der Produktion durch Tobias Siebert (Klez.e) wird Knut Stenerts nunmehr siebtes Samba-Album zu einer tanzbaren Popplatte, die irgendwo zwischen Fotos, Virginia Jetzt! und Fertig, Los um die Käufer wirbt. In dieser Gesellschaft gelingt „Die Ekstase Der Möwen“ als eingängige Platte ohne nennenswerte Schwächen oder Stärken, die somit das Label „nett“ redlich verdient hat. Vollkommen unspektakulär klingt hier ein inzwischen wohl klassisch zu nennender deutscher Indiepop an die Ohren, der einerseits darauf vertraut, dass seine Texte mehr sind als bloße Bausteine und andererseits sich an Melodien versucht, die sich mit der nötigen Eingewöhnung zu Quasi-Ohrwürmern entwickeln können. So wird „Die Ekstase der Möwen“ weder Silberjuli-massentauglich – obwohl Julis Marcel Römer das Schlagwerk bedient – noch aber alternativer Pop mit Indie-Appeal. Vielmehr dürfte das unabhängig Poppige am Album eher eine Hörerschicht ansprechen, die einerseits in den letzten 17 Jahren schon mit Samba in Berührung kam oder für die ein Grönemeyer zu altbacken ist, die aber im Grunde dennoch diesen kultivierten, zurückgenommenen, wenig aufdringlichen Pop schätzt.

Egal, ob die Arrangements nun Synthesizer und Electrobeat einschließen oder allein auf ein klassisches Band-Line-Up vertrauen, in der Mehrheit würden sie vermutlich auch allein mit Gitarre und Stimme funktionieren. Anders formuliert, das konkrete Arrangement ist eigentlich egal, die Songs gewinnen wenig dadurch – Electroeffekte und Beats stören gelegentlich sogar eher – noch verlieren sie irgendwas. Natürlich entspringt das Tanzbare der Stücke den Arrangements, aber die Tanzbarkeit ist nicht zwangsweise ein Pluspunkt für das jeweilige Stück.

Während „Hinter Der Kurve“ das Album fast Distelmeyer’sch eröffnet – wenn Jochen uns tanzen lassen würde – klingen „Algen“ und „Nur Noch Strom“ zunächst wie Stücke von Phoenix, um dann übliche deutsche Indiepopmuster aufzugreifen. „Im Stau“ ist einfach nur beschwingter Pop mit all dem, was diese Genrebezeichnung an Assoziationen auslöst. Das anmutig Leichtüßige, das dem Album in vielen Momenten innewohnt, verdeutlicht am besten „Wirr“. Nachfolgend übertreiben es „Lieder Zum Widerstand“ und „Aufsteigen“, aber auch „Der Boss“ mit den elektronischen Effekten, die hier den simplen Popstücken nichts Wichtiges hinzufügen können. Im weiteren überwiegt ein Mangel an interessanten Momenten, was in „Mein Schwein“ zu einem einzigen Fehlen wird. Am Ende ist auf „Die Ekstase Der Möwen“ nichts schlecht, aber zu wenig zwingend, um über das angeführte Etikett hinweg zu helfen. Knut Stenerts Stücke verdienen es, gehört zu werden, aber das tun die Werke andere Künstler auch und mehr.

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