Robag Wruhme – Thora Vukk

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Robag Wruhme hat als einer der Wighnomy Brothers bewiesen, dass er zu den großen der heutigen House-Musik – nicht nur aus Deutschland – gehört. Seine spielerische Ästhetik prädestiniert ihn als Mitglied von DJ Kozes Pampa-Records-Familie. Wo Isolées Album zu Beginn des Jahres ähnlich wie das zeitgleich erscheinende und in Teilen ähnlich gestrickte Album-Debüt von Nicolas Jaar an mancher Stelle doch Fragen offen ließen, überzeugt Wruhme (oder eher Gabor Schablitzki) auf „Thora Vukk“ von Beginn an mit Stücken, die treibend-hypnotische Beats mit sich äußerst langsam entfaltenden Klangflächen verbinden.

Seien es die Albumeröffnung „Wupp Dek“ oder das nachfolgende Titelstück, in beiden finden sich dauernd variierende, mal reduzierte, mal durchgängig anschiebende Beats und Basslinien, die unter und über wabernden Klangflächen liegen, diese durchbrechen und wieder von diesen überlagert werden. Hinzu kommen – offensichtlicher in „Wupp Dek“ – Versatzstücke von Instrumenten und Vocalsamples, die wie aus dem Nichts für einige Takte die Tracks akzentuieren und dann nicht wiedergefunden werden.

Dies Rezept dreht sich in „Bommsen Böff“ um. Der hektisch treibende Beat dominiert, das Flächige findet sich vergraben darunter. Allein die unerwartete Variation des Gesamtarrangements, das spontane Auftauchen und Verschwinden von Elementen hat dieser Track in seiner unauffälligen Funktionalität gemein mit seinen Vorgängern auf dem Album. Die Effektivität hat die Nummer dagegen eher gemein mit dem zunächst minimalistischen und dann melodischen, im positiven Sinne kitschigen House von „Pnom Gobal“, der in seiner fast ausgemergelten Einfachheit geradezu zur Verwendung des Attributs „perfekt“ zwingt und mit „Tulpa Ovi“ noch eine Schwester im Geiste auf dem Album besitzt, die allerdings schon seit einem halben Jahrzehnt in der Schublade liegt. Im Albumverlauf bestimmt immer mehr die – kaum erkennbare – Verwendung von Field-Recordings die Stücke, die, vor allem als perkussive Elemente genutzt, die Spannung der Stücke erhöhen. Dies gilt insbesondere für „Prognosen Bomm“, das einerseits schon fast Pop-Charakter annimmt, dem Wruhme aber die Chance auf Massenerfolg durch aggressive Störgeräusche selbst verwehrt.

Robag Wruhmes „Thora Vukk“ ist ein außergewöhnliches House-Album, das überraschend im Grunde das perfektioniert, was die Alben von Nicolas Jaar und Isolée Anfang des Jahres andeuteten. Den Abschluss dieses Album bildet „Ende“, dessen poppige Harmonien und atmosphärisch ruhiges Arrangement zwar immer wieder unterbrochen werden, aber gerade dadurch ihren Charme gewinnen. Tatsächlich hat Gabor Schablitzki hier viel mehr geschaffen als ein Album elektronischer Tanzmusik. Aus den Mitteln dieses Genres ersteigt etwas, das heute noch nicht zu benennen ist. Vielleicht werden die Endjahreslisten einen Namen gefunden haben.

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