Ja, Panik – DMD KIU LIDT

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Begeisterung für Ja, Panik ist kein naturgegebenes Gesetz. Die verkopfte Kunstsprache der Texte von Andreas Spechtl – die auf dem neuen Album „DMD KIU LIDT“ den Weg des Denglisch geht – mag gefallen oder nicht. Die Musik kommt entspannt ohne große Spannungsmomente aus, besitzt gerade daher eine außergewöhnliche, hinterhältige Tiefe, verlangt allerdings somit auch die volle Aufmerksamkeit.

Ist der Hörer nicht bereit, sich dermaßen auf die fünfzehn neuen Stücke einzulassen, streichen diese unauffällig vorbei, stören nicht, hinterlassen aber insbesondere keinen sonderlichen Eindruck. Spechtls Texte – egal ob in der englischen, deutschen oder gemischten Variante – mögen kurz aufhorchen lassen, aber alles in allem bleibt am Ende die Frage: War da was?

Das Gewesene besteht aus einer musikalischen Akkumulation der Stile. Dies reicht von einer Theatermusik aus den Zeiten der Weimarer Republik über Kunstschulrock einerseits und Folkrock andererseits aus den 1970er Jahren bis hin zu einem 1990er Alternative-Rock – und schließt noch einiges mehr mit ein. Eine derart kumulative Musik kann uneigen wirken, rein epigonal, erlangt hier aber stilistische Unzuordbarkeit und Freiheit. „DMD KIU LIDT“ ist in der Harmonie des vielfältigen und vielfarbigen Mosaiks, in seiner Alleinstellung uner- und ungehört.

Das nunmehr vierte Album der Österreicher von Ja, Panik ist – nicht zuletzt dank der Produktion durch Moses Schneider – ein kleines Kunstwerk. Es ist perfekt. Aber zudem langweilt es. Es besticht und lässt sich doch leicht ignorieren. „DMD KIU LIDT“ ist einfach gefällig in seiner Gesamtgestalt und in all seinen Einzelteilen. Es fordert zur Auseinandersetzung auf, zwingt aber nicht dazu. Die Haken und Widersprüche sind glatt geschliffen worden. In Analogie zu den Kunstwerken einer Ausstellung ist es der objektive Höhepunkt, auf den sich alle einigen können, der aber in der subjektiven Erinnerung schneller verblasst als das kleine Werk in der Ecke, an dem die Augen – oder hier eben die Ohren – hängen bleiben, das zu erfassen emotional und intellektuell Freude bereitet.

Die Eigenständigkeit des Ja,-Panik’schen Gitarrenrock sorgt in seiner effektiven und doch unspektakulären Verbindung bekannter Bausteine immer wieder für Augenstrahlen, für fast schon ungläubiges Hören. Das Problem von „DMD KIU LIDT“ ist, wie schnell eine Gewöhnung eintritt an die klangliche Bedeutsamkeit der Musik – man nehme nur die Synthese aus Soul, Folk und Rock in „The Evening Sun“, die trotz ihres inhärent klassischen Charakters doch ganz neu erscheint. Das Beeindruckende hält selten für mehr als einige wenige Takte.

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