Instra:mental – Resolution 653

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Vom Rave der 1990er sozialisiert, musikalisch zunächst im Drum’n’Bass beheimatet, steht Alex Green und Damon Kirkhams Debüatalbum als Instra:mental ganz im geographischen Spannungsfeld London-Berlin. Musikalisch umformuliert heißt das natürlich, die 13 Tracks auf „Resolution 653“ zehren gleichermaßen aus der britischen Bassmusik Dubstep wie aus den Basslinien des in der deutschen Hauptstadt beheimateten minimalen Technos. Sie enden jedoch zumeist in relativ simplen Electronica-Welten. So häufig die Tracks dabei zu begeistern wissen, so oft klingen sie altbekannt.

Ihre Vergangenheit können Instra:mental nicht verbergen. Rave- und Acid-Elemente dringen immer wieder durch die elektronisch oszillierenden Klangwelten. Die synthetische Künstlichkeit der Tracks berührt kaum. Offenbar haben die beiden Produzenten versucht, einen futuristisch unterkühlten Klangentwurf, wie er nicht selten auch im D’n’B zu finden ist und wie er im Club durchaus gut funktionieren kann, in den Kontext eines Listening-Albums zu überführen. Dies gelingt ihnen technisch perfekt, allerdings fehlt es zumeist an der Seele. Natürlich ist das eröffnende „Sun Rec“ gelungen in der Abwechslung von flirrenden Synth und pochenden Beats. Insbesondere der hintergründige Puls verwirrt und begeistert. Ähnlich wird dies später im Album in „Delta Zone“ noch einmal aufgegriffen und gelingt ähnlich gut. Über jeden Zweifel erhaben ist zudem die stürmische Beat-Urgewalt „Thomp“, die unter Umständen ein zukünftiger Klassiker sein könnte. Das prinzipiell ähnlich gelagerte „8“ wiederum befriedigt in keinerlei Hinsicht. Auch „Waterfalls“ enttäuscht mit seinen typischen flirrenden Synthesizern, die fast die Gestalt von geologischen Schichtungen anzunehmen scheinen. Das atmosphärisch Dichte, die Perkussion mehr als Beiwerk zu sphärischen Synth-Flächen Nutzende macht aus dem abschließenden „Memory Implant“ phasenweise einen Höhepunkt des Albums.

Beispielhafter für das Album in ihrer unentschlossenen und unbeschreibbaren Durchschnittlichkeit sind allerdings vor allem Stücke wie „Rift Zone“ oder „Talkin‘ Mono“, die eigentlich alles richtig zu machen scheinen, bei denen aber nichts hängen bleibt, die erscheinen, als seien sie 15 Jahre alt und damals schon nicht besonders gewesen. Seziert man die Tracks, passt jedes Einzelteil an sich, der Gesamteindruck des jeweiligen Stücks aber bleibt ein interessiertes „OK“. „Rift Zone“ zum Beispiel hat Momente, in denen es scheint, als könne der Bass einem den Atem rauben. Wichtig an diesem Satz ist der Konjunktiv. Überzeugender setzen Instra:mental den Hörer mit „Plok“ unter Strom.

Mit „Resolution 653“ präsentieren Instra:mental basslastige elektronische Tanzmusik im Hier und Heute. Green und Kirkham reizen jedoch weder die Möglichkeiten aus, noch besitzt die von ihnen präsentierte Melange aus Techno und Dubstep eine klare Handschrift, so dass die Tracks als eindeutig von ihnen stammend zu identifizieren wären. Das ist nett, aber auch schnell verdrängt.

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