Ellen Allien – Dust Remixes

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Ellen Alliens letztes Album „Dust“ war ein ziemlicher Gemischtwarenladen – sowohl stilistisch als qualitativ. Auch in der Rezeption konnte man sich durchaus streiten: War zum Beispiel „Flashy Flashy“ ein großartiges Highlight oder ein absolut nervtötender Track? Nun, ein Dreivierteljahr später, veröffentlicht Allien auf ihrem Label BPitch Control die Remix-Compilation zum Album. Dies hätte alle positiven Aspekte des Albums betonen können, jedoch wäre eine solche Erwartung wohl reichlich übertrieben. Entsprechend erfüllt „Dust Remixes“ diese auch nicht.

Den Gesamteindruck bestimmt ein Gefühl des unauffällig-unspektakulär Netten. Dazu tragen insbesondere Bodycodes, Shonkys und Cameas Remixe zu „Dream“, „Searching“ bzw. „Schlumi“ bei, die alle funktional und tanzbar, aber eben vor allem kaum besonders erklingen. Auch Munks Bearbeitung von „You“ bringt zwar durchaus Mathias Modicas Disco-Attitüde zum Vorschein, aber entfaltet sich etwas zu bedächtig. Die gleichen Vorhaltungen ließen sich Adultnapper und seinem „Huibuh“-Mix machen, jedoch schleicht dieser sich in der zweiten Hälfte des Tracks hypnotisch in die Gehirnzellen und bleibt hängen, trotz der monoton voranstapfenden Beats. Ziemlich eigen und in gewisser Weise auch spektakulär erklingt dagegen John Roberts‘ Variante von „Should We Go Home“, die aber ebenfalls nicht vollkommen überzeugt, weil sie so übermäßig bis unkontrolliert hektisch vorgeht.

Dieser Kritik darf aber Lob folgen. Nicht nur Rippertons Backlash Remix von „My Tree“ begeistert restlos. Ellens geflüsterte Vocals, das Drumpattern und sphärisches Flirren werden in Verbindung zu den aufsteigenden Synth-Klängen und der subtilen Bassdrum zu einem Spektakel. Hinzu kommt Nicolas Jaars genial zärtlich-warme Umdeutung des Hits/Nervtöters „Flashy Flashy“. Auch Fabrizio Maurizis Herangehensweise an dieses Stück weiß in seiner sommerlichen Sorglosigkeit zu überzeugen. Kassem Mosse nimmt sich „Our Utopie“ an und schafft aus Zischeln und Flüstern ein sphärisch verunsicherndes Kunstwerk um den treibenden, hin und her schubsenden Bass. Das Sphärische prägt auch Tim Heckers Version von „Sun The Rain“. Ganz anders, weil funktional effektiv, tanzbar und rein perkussiv begeistert dagegen der Aux 88 Black Tokyo Remix von „Ever“. Neben der Eröffnung der „Dust Remixes“ durch „My Tree“ ist dies vielleicht der großartigste Moment der Sammlung. Elektronische Drum-Variationen reißen in ihrer Minimalität mit und zwingen zum Tanzen.

Wie also schon das Ausgangsmaterial nur in Teilen überzeugen konnte, fehlt auch auf der Remix-Compilation die durchgängige Qualität. Eine Hälfte der zwölf Stücke ist unauffällig und wenig relevant, die andere Hälfte aber lässt Mund und Ohren offen stehen und setzt Blut, Hormone und Füße in Wallung. Eine krude Mischung? Eine Enttäuschung? Eine halbe Offenbarung.

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