DJ Vadim presents The Electric – Life is Moving

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Für sein neues Album „Life Is Moving“ hat DJ Vadim sich mit Sabira Jade und Pugs Atomz zwei äußerst talentierte Vokalisten gesucht. Zusammen präsentieren sie als transkontinentale Supergroup The Electric ein HipHop-Album, das nicht bereit ist, sich auf irgendein Subgenre festlegen zu lassen. Der russische Beatschmied, die britische Soulsängerin und der US-amerikanische Rapper wildern kräftig in den letzten zwanzig Jahren wie auch im Heute. Frühe Dre-Produktionen finden sich ebenso wieder wie die HipHop-Kooperationen der Gorillaz und Kanye Wests Experimente mit Afrobeat. Was fehlt – und das ist gut so – sind die aktuellen Spielereien mit Eurodance. Nichtsdestotrotz bietet „Life Is Moving“ Anknüpfpunkte für Indie-HipHopper und Jam-FM-Hörer gleichermaßen. Im Mittelpunkt steht hier bei Vadims Produktionen trotz allem die Hörbarkeit, die Universalität. Die Gefahr, in stereotype Muster der Chartsmusik zu verfallen, sich einfach nur die Rezepte der Black-Music-Schwemmen der letzten zwanzig Jahre anzueignen, umgehen The Electric jedoch. Die Vermeidung einer solchen phrasenhaften Wiederholung beruht allerdings unter Umständen gerade in der maximalen Verdichtung eben dieser Blaupausen. Das heißt, in den einzelnen Arrangements werden jeweils gleich mehrere in der Vergangenheit erfolgreiche Referenzen aufgegriffen und neu zusammengesetzt, was letztendlich die Gefahr des Plagiats umgeht. Gleichzeitig wird so die maximale Anzahl an Bezugspunkten für den Hörer geschaffen. Bei all dieser Vielfalt liegt dem Prinzip der Hörbarkeit dennoch eine bestimmte klangliche Basis zugrunde, die ihren Ursprung irgendwo zwischen Fugees und Will Smith in den späten 1990ern hat. Natürlich vermag diese Definition abzuschrecken, aber es gefällt, was DJ Vadim und seine Mitstreiter daraus machen.

So ist „Life Is Moving“ im Kern vor allem Pop. In diesem poppigen HipHop, der dieser Zuordnung gemäß durchaus in gewissem Sinne das ganze Album über (positiv) gleich klingt und für den „Overloaded“ als typisches Beispiel stehen mag, fallen dennoch einige Tracks besonders auf. Zum einen wäre da „We Rollin“ mit seinem brummenden Bass und den – dem Titel entsprechend – rollenden Drums. Das Wechselspiel aus unsauberer akustischer Bassdrum und elektronischem Bass macht aus „You Can Try“ ein Highlight des Albums. Zu den Höhepunkten zählt weiterhin „Running“, das hektisch treibend einerseits old-schoolige Scratchelemente und andererseits moderne Drumkaskaden nutzt. „Sometimes“ wiederum ist wie auch „Music Is Addictive“ und „Hands Up“ typischer Neo-Soul, aber mit einem schwer zu fassendem europäischem Einschlag, und „So Now You Know“ ist ebenso klassischer funky Soulrap. Der Will-Smith-Bezug kommt am Stärksten – auf nicht negative Art und Weise – in „Beautiful“ und „I’m All In“ zum Tragen. „Let’s Celebrate“ ist, genau wie der Titel andeutet, eine Party-Dancefloor-Hymne und „Electric Company“ kommt als elektronischer Dancehall-Riddim um die Ecke.

Auch wenn hier zwischen allen Einsprengseln anderer Produktionsmittel der latent verkaufslistenorientierte Produktionsstil überwiegen mag, sorgt nicht nur das Wechselspiel zwischen Rap und Gesang für das nötige kritische Wohlgefallen. Die Kleinigkeiten in Vadims Produktionen machen hier den Unterschied zwischen dem abfälligen Urteil, das sei ja alles schon irgendwie bekannt und unspannend, und dem überwiegenden Gefallen. The Electric legen mit „Life Is Moving“ zwar ein unspektakuläres, aber absolut gelungenes Album vor, bei dem manches fast kopiert erscheint, aber so geschickt kaschiert wird, dass es nicht nur nicht stört, sondern positiv überrascht.

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