2562 – Fever

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„Fever“, im Sinne von Disco-Fieber, heißt Dave Huismans aka 2562s Nachfolger zum 2009er Album „Unbalance“. Zwar ist das Discofieber das zugrundeliegende Konzept, aber die Hörer werden das nur wahrnehmen, wenn sie es sich einbilden. Im Resultat präsentiert 2562 einfach seine Mischung aus Techno, Electro und Bass-Musik, die ihresgleichen in dieser Zeit sucht, die also mindestens einen Schritt voraus ist.

Allerdings übertreibt Huismans es auf „Fever“ gelegentlich mit seiner Kreativität. So ist „Brasil Deadwalker“ in der Härte von Beats und Arrangement einfach nur nervtötend, und auch „Final Frenzy“ erscheint nicht nur als Belastung des Hörorgans sondern des gesamten Sinnesapparats. Allerdings hat das von letzterem verursachte Unwohlsein durchaus seine interessanten Momente. Der Trip ist zwar beängstigend und irgendwie schlecht, aber macht auch süchtig.

Damit haben sich die negativen Momente erledigt. Schon gleich zu Beginn fordert die Albumeröffnung „Winamp Melodrama“ die volle Aufmerksamkeit, setzt den Körper unter Hochspannung. Wo Witch-House Samples durch massive Übereinanderschichtung unkenntlich macht, stehen hier die zugrundeliegenden Bestandteile zwar klar nebeneinander, sind aber in ihrer Kleinteiligkeit nicht zu identifizieren. Monoton, vereinzelt und in Clustern wiederholt treiben sie als Beat genutzt den Hörer an und lassen ihn dauerhaft am Rand zum nervösen Zusammenbruch stehen. Das ist anstrengend und begeistert. Der progressive Drum’n’Bass von „Cheater“ wirkt nachfolgend geradezu erholsam, bevor „Juxtaposed“ wieder die Nervosität erhöhen darf. Allerdings ist hier die hektische Vielfalt in einen funktionaleren Trackkontext eingebettet als in der Albumeröffnung. Experimentell elektronische Verspieltheit trifft auf entspannte Clubatmosphäre. Futuristischer Drum’n’Bass findet sich auch später im Albumverlauf. So ist „This Is Hardcore“ von Breakbeats und D’n’B-Ästhetik bestimmt, und vor allem „Wasteland“ ist mit seinen versetzten Kicks ein düster tanzbares Glanzstück. Minimale Mittel und maximale Direktheit von Bass und Beats bestimmen „Flavour Park Jam“. „Aquatic Family Affair“ wiederum spannt den Hörer eine ganze Weile auf die Folter, bevor Huismans in diesem Track eine hektisch pulsierende Bass-Nummer ausbreitet. Sphärisch flirrend beginnt „Intermission“ und entwickelt sich zu einer pluckernden, clickenden Electronummer zwischen Bass und gebrochenen Beats.

Das Disco-Konzept lässt sich unter Umständen als besondere Funkyness in den technoid minimalistischen, 2562’schen Bassmusik-Konstrukten identifizieren. Wie angemerkt, mag dies aber pure Einbildung sein. Davon unabhängig ist „Fever“ – trotz der erwähnten Schwachpunkte – eine beeindruckende Platte, ihre Intensität und Direktheit wie auch die in ihr zum Ausdruck kommende Kreativität des Künstlers begeistern.

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