The Go! Team – Rolling Blackouts

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Zwei musikalische Kollektive veröffentlichen dieser Tage neue Alben – einerseits Hercules & Love Affair und andererseits The Go! Team um Ian Parton. Bei letzteren versteckte sich unter der latent kakophonischen Schichtung von Samples und Instrumenten schon immer eine ungemeine Poppigkeit, die aus Thriller- und Soundtrackjazz-Elementen und kitschigem Pop zehrte. Das chaotisch Geniale der Arrangements vermochte bisher durchaus abschreckend wirken, diesmal jedoch – auf „Rolling Blackouts“ – steht tatsächlich die Poppigkeit vollkommen im Vordergrund und die Vielfältigkeit in Instrumenten- und Sample-Wahl verbirgt sich dahinter.

Dem ein oder anderen mag mit diesem verstärkten Popappeal der ursprüngliche Go!-Team-Reiz abhanden gekommen sein, eigentlich aber zeigen Parton und Kollegen hiermit erst richtig, was in ihnen steckt. Dazu tragen nicht zuletzt die musikalischen Gäste bei, unter denen vor allem Deerhoofs Satomi Matsuzaki und Best Coasts Bethany Cosentino zu überzeugen wissen.

Nachdem das Album – wie auch der Vorgänger „Proof Of Youth“ – von einem aggressiven Beat-Feuerwerk eröffnet wird, das hier auf den Namen „T.O.R.N.A.D.O.“ hört, setzt „Secretary Song“ mit Satomi Matsuzaki am Mikrofon die Atmosphäre. Überbordende Gutgelauntheit, keine Angst vor dem richtigen Maß an Seichtigkeit und ein klein wenig Sperrigkeit machen dies zu einer schrägen Popnummer in der Tradition zwischen Bran Van 3000 und Pizzicato Five. Weiter wirken The Go! Team in den Charakteristika ihrer Melodien in gewisser Weise wie aus der Zeit gefallen und eher in die späten 1990er gehörend. Kaum ein Stück zeigt das besser als „Apollo Throwdown“. Aber gerade das macht sicherlich einen großen Teil des Reizes des Albums und von The Go! Team aus. Die Band macht Musik, die jederzeit jeden potentiell anspricht und doch in einer Nische stattfindet, die wiederum zu beschreiben nicht ganz einfach ist. Bran Van 3000 fallen nicht nur einmal als Referenz ein. Das klassische Liebeslied – mit Untiefen – „Ready To Go Steady“ könnte direkt von deren Album „Discosis“ stammen. Auch „Bust-Out Brigade“ wirkt wie ein Flashback in die Hochzeit des samplereichen Big-Beat voller Verweise in die Cooljazz-Ära, und „The Running Range“ wird sicher Quentin Tarantino gefallen.

Natürlich ist es nicht zwangsweise hilfreich, einfach nur Bezüge aufzuweisen, jedoch betont es die zeitunspezifische Zeitlosigkeit der Platte und solcher Stücke wie „Buy Nothing Day“, das – mit Bethany Cosentinos Gesang – einfach klassischer Glee-Pop ist, der sowohl in den 60ern, den 70ern, den 80ern und den 90ern des letzten Jahrhunderts hätte entstehen können und nur in seinem aufgesetzten LoFi-Charakter eindeutig The Go! Team zuzuordnen ist. Selbst wenn die Tracks eher in Richtung HipHop-Charakteristika zu tendieren scheinen – wie zum Beispiel „Voice Your Choice“ –, behalten sie die poppige Fröhlichkeit bei, einerseits verstört dies, andererseits verstärkt es den Reiz. So bleibt nur noch zu sagen: Mit „Rolling Blackouts“ katapultieren sich The Go! Team tatsächlich – oder endgültig – in eine musikalische Liga mit solchen Bands wie The Flaming Lips.

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