Skeleton$ – People

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Ist jedes Album von Matt Mehlans Projekt – oder der um ihn gesammelten Band – Skeletons ein kaum in Worte zu fassendes Kunstwerk? Jazz in Indie in Pop zu verwandeln, diese Aufgabe stellen sich viele Künstler, aber wenige (keine) tun dies so offensiv, so vollendet, wie es die Skeletons auch auf ihrem neuesten Album „People“ wieder tun.

Aus den chaotischen Klangwelten, die zunächst zu dominieren scheinen, aus dem scheinbar wilden Durcheinander von Free Jazz, Afrobeat, Kunstrock, Folk, Krautrock und Funk schälen sich mit der Zeit perfekt inszenierte Songs heraus. Das scheinbar unzusammenhängende, tonale Rauschen, das die Stücke im ersten Moment zu prägen scheint, macht Platz für harmonisch präzise, fließende Schönheit voller Gefühl. Perkussion, gegeinanderlaufende Melodien, verwobene Harmonien und Mehlans Gesang vereinen sich, stacheln sich gegenseitig an, löschen sich aus und – vor allem – verbinden sich zu einer zerrissenen und doch wohlklingenden, erhebenden Pracht.

Diese Fülle und dieser Glanz verklingen am Ende in zärtlich simplen Folk des Titelstücks. Über statisches Rauschen zieht langsam und sanft dieses Friedensangebot. Ähnlich – doch polyrhythmisch akzentuiert – erklingt vorher bereits „No“. Diese unverstellte Hörbarkeit bewahrt im Skeleton’schen Kosmos die Spannung und die Aufmerksamkeit. So lassen sich die Stärken dieser populärmusikalischen Free-Jazzer besser würdigen. Dazu gehören zum Beispiel die sich aus monotoner Wiederholung und multipler Schichtung von Klangelementen herausschälende Perfektion von „More Than The One Thing“, das fast als instrumentale Clubmusik – im Sinne von „Dancemusic“ – erscheint. In „Walmart And The Ghost Of Jimmy Damour“ wiederum beeindruckt, wie zwischen nervenaufreibender Spannung und seichter Fahrstuhlunterhaltung gewechselt wird und so die Intensität des Stücks sich noch einmal erhöht. Beste Beispiele für die gefühlvolle Perfektion der chaotischen Arrangements sind einerseits das eröffnende „L’Il Rich“ in seinem Wechselspiel von zärtlich ruhigem Wohlklang und aufwühlender Disharmonie, als auch der latein-amerikanisch beginnende, nachfolgend unendlich verzierte, stampfende und sich zu höchsten Höhen aufschwingende „Barack Obama Blues“.

Matt Mehlan und die Skeletons nehmen uns auf „People“ erneut mit auf eine faszinierende, begeisternde Achterbahnfahrt, eine musikalische Erlebnisreise, deren Intensität und deren Musikalität ebenso Fans von Animal Collective und Dirty Projectors wie Freunde von José González oder Junip ansprechen sollte. „People“ ist der wiederholte Beweis für die Genialität einer Band, die mit gutem Grund im Sommer Teil der „Congotronics vs Rockers“-Nordamerika-Tournee ist.

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