Richard Dorfmeister – Private Collection

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Es ist grob vereinfachend und erscheint genau deshalb zutreffend, wenn man schreibt, das oder zumindest ein Zentrum des Dancefloor-Jazz – und all seiner Seitentriebe – sei Ende der 1990er Jahre Wien gewesen. Auch wenn Kruder & Dorfmeister mit anderem berühmt wurden, steht und stand ihr Label G-Stoned mittendrin in der entspannten Version der Tanzflächenerfahrung. Wo dies seinen Ursprung nahm, lässt sich vielleicht ein wenig auf Richard Dorfmeisters „Private Collection“ nachvollziehen, der – nach Peter Kruders – zweiten Ausgabe der G-Stoned Master Series. Glaubt man dem Klappentext, geht es um Magie – die Magie des Träumens möglicherweise –, um kindliche Vorstellungskraft, aber auch um die richtige Atmosphäre fürs Schlafzimmer.

Schon die Eröffnung mit Vladimir Cosmas „Promenade Sentimentale“, dem Klavierthema des Films „Diva“, versetzt in die richtige Stimmung. Magisch, träumerisch und romantisch führt es ein in die erste Albumphase, die vollkommen zurückgenommen zwischen Klavier und Fender Rhodes, zwischen sanftem Blues und Bossa Nova angesiedelt ist und in Antonio-Carlos Jobims „Brazil“ kulminiert. Überhaupt scheint Richard Dorfmeister von Brasilien und dessen Musik noch immer nicht lassen zu können – was verständlich ist. Im zweiten Albumviertel steht jedoch eher die Gitarre in ihrer singenden, kitschigen Funkyness im Mittelpunkt, doch sticht hier vor allem Nick Drakes „Three Hours“ in seiner drängenden Intensität heraus. Aber Brasilien drängt mit „Cachaca Mecanica“, „L’heritier“ und dem Klassiker „Berimbau“ schnell zurück in den Fokus.

Manches auf dieser Sammlung überrascht – Santana, David Essex, Alan Parsons Project –, erklärt doch vieles im K+D-Kosmos und fügt sich zudem ausgesprochen gut ein in diese entspannte Reisemusik. Auch The Singers Unlimited mit „The Shadow Of Your Smile“ gehören in ihrer Acapella-Schönheit in die Reihe der überraschenden Schönheiten auf Dorfmeisters „Private Collection“. Kommt erwähntes Wien auf dem Album vor? Nicht wirklich. Aber Harri Stojka verabschiedet uns. Der Schmunzler zum Abschied aus einer entspannten, seichten Schönheit von Compilation.

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