Piemont – Sand Hills

am

Nachdem „Strange World Beyond“ 2009 ein hier zu Unrecht übersehenes Album war, veröffentlichen Piemont nun den Nachfolger namens „Sand Hills“ auf ihrem eigenen Label Suchtreflex. Darauf perfektionieren Frederic Möring-Sack und Christian de Jonquieres ihren ganz eigenen Technosound, in dem der Beat im Vier-Viertel-Takt nur marginal variiert, uns um ihn herum aber eine kreativ wie musikalisch ungemein vielseitige Inszenierung erwartet.

Sowohl in „Run-Down“ wie auch in „Sense Of Self“ wird der gerade Beat von vokalen Samplefetzen umhüllt. Unterstützt von weiteren minimalen instrumentalen Elementen und Variationen entsteht so gleich zu Beginn ein ungemein begeisternder Sog. Das grundsätzliche Rezept beibehaltend lässt „Deeps Or Skies“ dann dem scheppernden Beat größere Freiheiten. Entspannt gleiten wir durch das Meer und Mehr dieses Tracks. Die vokalen Elemente dürfen dafür in „A Bound Of Passivity“ und „Instead Of Multiple“ tatsächlich verständliche Strukturen annehmen und vertiefen die Intensität der hypnotischen Grundstruktur der Piemont-Tracks. Gleiches gilt für die vielleicht stärksten Stücke des Albums, die Piemont kurz vor dem Ende präsentieren: Die von „Vitesse“ erzeugte Spannung ist geradezu nervenzerfetzend und glücklicherweise erlauben Möring-Sack und de Jonquieres ihr – zumindest in Maßen – sich zu entladen. Noch intensiver, vollkommen hypnotisch, fast magisch oder gespenstisch geht dem „Try To Read The Numbers“ voraus, ein Monolith von einem ambienten Technotrack, der sich sofort ganz tief in Gehör, Herz und auch Hirn einnistet.

Die Akzentuierung vordergründig nebensächlicher Instrumentalspuren macht aus „Can Anything Be Said?“ einen potentiellen, effektiv monoton anschiebenden Clubhit. Vollkommen funktional erklingen „Unrest“ und „Few Mornings“. Auch „Dotless I“ ist antreibender, energetischer als der Durchschnitt des Albums, abstrahiert den reinen Techno aber in Richtung Warp’scher Electronica. Hektisch im Beat und latent ravend im Arrangement erklingt „With Small Pupils“.

Obwohl von den Arrangements her clubtauglich und vielleicht sogar auf den Club ausgelegt, besitzen die Stücke auf „Sand Hills“ eine die reine Funktionalität übersteigende Qualität. Der gleitenden, schwebenden Bewegung der Tracks abseits vom Beat wohnt eine ambiente, einkleidende Ruhe inne, welche die Wirkung des Beats und der Stücke als Ganzes steigert. Die Grundzutaten der Nummern sind leicht zu identifizieren. Große Bedeutung kommt neben einem relativ simpel gestrickten, geraden Beat der Verwendung von Vokalsamples zu. Der minimale oder gar minimalistische Charakter wird – soweit nötig und die Intensität steigernd – durch weitere Sample- und Instrumental-Spuren variiert, aber seine Grundstruktur nie aufgegeben. Es ist quasi unmöglich, unter den vierzehn Tracks Höhepunkte auszumachen, zu gleichbleibend hoch ist ihre Qualität. Der Piemont’sche Techno ist jederzeit hörbar, lässt sich fast als poppig bezeichnen und begeistert.

Advertisements