Mobylettes – Immer Schlimmer

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Bands lösen sich auf, Bands schließen sich wieder zusammen, Künstler machen Winterschlaf, wachen auf und tun einfach das, was sie am besten können. Während die Guano Apes gerade wieder genau so schlecht sind, wie vor zehn Jahren, überzeugt die Frühlingsmusik der Mobylettes auch nach einer Dekade Winterruhe in ihrer unaufgeregten Schönheit, ihrer beglückenden Melancholie.

Heute wie damals erfreuen die Mobylettes mit der Verbindung von Wortwitz und 60er Jahre Girl-Pop. „Immer Schlimmer“ heißt das neue Album – weil „früher alles besser war“. Die Stücke gewinnen einmal mehr aufgrund des Widerspruchs aus willentlich – und deshalb so überzeugenden – altmodischen Harmonien, die immer schlageresk sind, ohne das entsprechende Publikum anzusprechen, und tiefsinnigem Geschichtenerzählen. Musikalisch immer auf halbem Weg von der Westküste nach Ipanema, harmlos schön zwischen Bossa und seelenvollen Vorstufen zur Surfmusik, sowie zwischen Chanson und Soul überzeugen die Stücke wie „Immer Schlimmer“, „Adieu“ oder „Leg Mich In Ketten“ mit schwingenden Gitarren, bar-jazzigem Schlagzeug und effektiv eingesetzten Orgel- und Vibraphonklängen. Im Kern steht aber natürlich der harmonische Gesang, der besonders zu gefallen weiß, wenn er im wohlklingenden Wechselspiel mit den Backing Vocals auftritt.

Das beeindruckende an der Mobylettes’schen Musik damals wie heute ist die unscheinbare, die unspektakuläre Schönheit der Stücke. Vielleicht gefällt es nicht sofort, unter Umständen sind nicht alle Songs bis in die letzte Konsequenz schlüssig, aber im Endresultat zaubern die Mobylettes auch mit „Immer Schlimmer“ einmal mehr ein Lächeln auf Gesichter und in Herzen. Das gilt für das luftig leichte, beschwingte „Eine Frau Und Ein Mann“, das zwischen vordergründigem Frohsinn und hintergründiger Tragik die alte Geschichte von einer vorbeigehenden Liebe erzählt. Überhaupt steht hier die Trennung, das Hintersichlassen von etwas Vergangenem im Mittelpunkt – höre nur „Aus Den Augen, Aus dem Sinn“ –, gleichzeitig jedoch tritt immer ein trauriger Optimismus zu Tage, der zum Erhebenden des Albums beiträgt. Geradezu tanzbar erklingt zum Abschluss „Geh Nicht Fort“ und auch „Nein Nein Nein“ versetzt den Körper auf dem German Weekender in Bewegung. Am besten sind die Mobylettes aber im molllastigen Chanson. „Adieu“ gehört zu diesen wohlklingenden Höhepunkten. Weitere Highlights auf „Immer Schlimmer“ sind zudem das hymnische „Bleib Nicht Stehen“ oder der treibende Titeltrack. Die Mobylettes sind wieder da und immer noch nicht im Jetzt. Immer einen Hauch im Gestern – oder Vorgestern – verharrend bringen sie ihre Hörer zum Schmunzeln, indem sie eine aus der Zeit geratene Musik präsentieren und – um es ganz einfach zu sagen – gefallen.

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