Faust – Something Dirty

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Vierzig Jahre Faust. Letztes Jahr brachte die süddeutsche Hälfte ein Album heraus, 2011 greift die norddeutsche Hälfte um Jean-Hervé Peron und Zappi Diermaier wieder ins Geschehen ein. Bereits der Einstieg verspricht einigermaßen viel. Rau und offensiv stampfend führt „Tell The Bitch To Go Home“ in das Album ein. Die Aggressivität verdanken Faust sicher nicht zuletzt James Johnstons (z.B. Gallon Drunk) Gitarrenspiel. Aber auch Diermaiers Schlagzeug trägt viel zur monotonen, hypnotisch repetitiven Atmosphäre bei.

Immer wieder beeindruckt, wie Faust vermögen, die Spannung zu halten, es schaffen, mit einfachsten Mitteln die Monotonie ihres motorischen Krautrocks vor Langeweile zu schützen (z.B. in „Herbststimmung“). Dies gilt auch für „La Sole Dorée“, welches das Album beschließt und erneut Fausts Talent für Spannungsaufbau sowie ihre Experimentierfreude – die weite Teile des Albums prägt – nicht nur beweist, sondern zu einem intensiven Ergebnis führt. Allerdings ist anzumerken, dass rhythmische Effekte und sägende Gitarren, dass das klassische Faust-Wechselspiel der rhythmischen Elemente, die klassische Faust-Klangkulisse auf die Dauer dieses Albums nicht zwangsweise durchgängig zu überzeugen wissen. So psychedelisch, fordernd und atmosphärisch intensiv die Klanggewalt der Pioniere des Krautrock auch herüberkommt, manches wirkt hier doch eindeutig wie Füllmaterial. Dies gilt insbesondere für die Vielzahl von Stücken und Stückchen, welche die zweite Albumhälfte prägen. Das ändert aber nichts daran, dass wir die Band und diese klassisch-repetitive, leicht aggressive Krautrock-Ästhetik im Titelstück zu „Something Dirty“ in Perfektion hören. Zudem stört dies nicht, wenn Faust ein solch voller bedrohlicher Ruhe drängendes Epos wie „Lost The Signal“ präsentieren.

Alles in allem bleibt dennoch anzumerken, dass auf „Something Dirty“ die Experimentierfreude der Band dem Ergebnis und das heißt auch dem subjektiven Gefallen im Wege steht. Die implizite Energie der Stücke vermag nicht überzuspringen. Das Versprechen der Albumeröffnung bleibt zu einem guten Teil unerfüllt. Das heißt auch, dass genau das, was der Band auf „C’est Com…Com…Compliqué“ noch so überaus gut gelang, hier leider nicht wiederholt wird. „Something Dirty“ vermag leider nicht zu packen, sondern gleitet eher harmlos an einem vorbei. Was besonders nach dem furiosen Einstieg erstaunt und bedauert werden darf.

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