Twilight Singers // Dynamite Steps

am

Greg Dulli bleibt sich treu. Von Sekunde sieben des neuen Albums der Twilight Singers an, das heißt, mit dem Erklingen des ersten Piano-Intervalls auf „Dynamite Steps“, umhüllt den Hörer die für den ehemaligen Chef der Afghan Whigs typische Atmosphäre. Tatsächlich heißt dies natürlich auch, die Klangwelten des Greg Dulli ähneln sich immer wieder. „Dynamite Steps“, das Gutter-Twins-Album „Saturnalia“ oder „Powder Burns“, der 2006er Vorgänger der Twilight Singers – wenn man glaubt, man wisse, was einen erwartet, hat man Recht.

Greg Dulli ist und bleibt der Meister (je nach Überschwang dürfen auch König oder gar Gott als Titel eingesetzt werden) des düsteren Gospel-Blues-Rock, des melancholisch souligen Alternative-Pops. Melodien und Harmonien, die den Hörer verschlingen in ihrem Wohlklang, in ihrer scheinbaren Harmlosigkeit. Variationen der Mittel ändern an dieser Grundcharakteristik des Twilight-Singers-Sounds wenig. Seien es programmierte Beats in „Last Fight In Town“ oder ein fast Reznor’sches Arrangement in „Waves“, am Ende dominiert doch die dunkle Wärme in Dullis Stimme und seinem Songwriting. Im Ergebnis findet sich der Hörer auf einem Twilight-Singers-Album ohne Mühe zurecht, und es gefällt sofort. Große Überraschungen gibt es also nicht, aber in der ungeheuren Größe des präsentierten Songwritings stört dies nicht, sondern gibt sogar Ruhe. Kleine Überraschungen – erwähntes ungestüm lärmendes „Waves“, Americana-Anleihen in „Never Seen No Devil“ oder die zerbrechliche akustische Schönheit, die „Get Lucky“ zu Beginn durchströmt – reichen vollkommen aus, um in keiner Minute ein Gefühl der Langeweile, der unnötigen Wiederholung aufkommen zu lassen. Ganz im Gegenteil heißen The Twilight Singers uns in „Dynamite Steps“ mit offenen Armen willkommen und erzeugen ein Gefühl der Heimkehr. „Dynamite Steps“ ist ein Hafen in den Wirren des Lebens, eine Befreiung vom Stress, ein rezeptfreies Medikament gegen den Burn-Out.

Ähnlich zerbrechlich schön wie „Get Lucky“ zu Beginn erklingt „She Was Stolen“, und „Blackbird And The Fox“ ist in Musik gegossene Trostlosigkeit, wobei die Musik in Form einer pulsierenden, altmodischen Rock’n’Blues-Folk-Ballade daherkommt. „Gunshots“ lässt die Emotionen überkochen, lässt aus Verzweiflung wütende Erregung entstehen, lässt diese Wut seelenwund losstürmen – und am Ende fällt sie einfach zurück in sich. Dagegen variiert „On The Corner“ die Blaupause des Twilight-Singer-Klangs nur minimal, ist also das Paradebeispiel für erwähnten, düsteren Gospel-Blues-Rock. So gelingt „Dynamite Steps“ als weiterer Beweis des Talents, der Größe des Kopfes der Twilight Singers, es erklingt voller spektakulär unspektakulärer Schönheit, es umfängt uns in schönstem Moll und gefühlsechtem Soul.

Advertisements