Tu Fawning – Hearts On Hold

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Es ist wagemutig, am Beginn eines Jahres zu prognostizieren, welche Klänge die kommenden zwölf Monate prägen werden. Jedoch lässt sich, mit der Hoffnung auf ein reguläres Forest-Swords-Album im Sommer und der in diesen ersten Tagen des Jahres 2011 erscheinenden Platte „Hearts On Hold“ des Quartetts Tu Fawning, vermuten, bewegender, verschrobener, durchaus artifizieller Independent-Rock mit einem Hang zu Perkussion und Samples, zu Hall und vergangenen Musikepochen könne die Musik des Jahres prägen – neben Hexenhäusern und kühlen Wellen natürlich.

„Hearts On Hold“ ist ein Album voller impliziter Poppigkeit, großer Harmonien und emotionaler Stärke. Zudem sind Tu Fawning – Corrina Repp und Joe Haege, sowie Toussaint Perrault und Liza Rietz – eine Band, die ganz offenbar nicht weiß wohin mit all ihrer kreativen Energie, mit all ihren Ideen, die im Anblick der Möglichkeiten alles umsetzen möchte, was ihr einfällt. Dies macht „Hearts On Hold“ zu einer echten Aufgabe. So wie sich auf dem Cover Linien durchschneiden und überlagern, scheinbar Räume auf der Fläche des Bildes durchdringen, weben die Musiker ihre Ideen ineinander, verschränken sie musikalische Elemente, die nicht zugleich zuzuordnen sind, die potentiell nicht zusammen passen, und am Ende einfach funktionieren. Einen großen Anteil daran hat die multi-instrumentelle Ausrichtung der vier Musiker. Seien es Klavier, Violine, Trompete oder Posaune, sei ihr Klang glasklar, verhallt oder durch elektronische Effekte verzerrt, ob sie führen oder im Hintergrund kaum erkennbar begleiten, sie geben den Stücken eine besondere Tiefe, lassen aufhorchen.

Die Stücke des Albums unterteilen sich zu gleichen Teilen in jene, die erkämpft werden müssen und solche, die sofort packen. Beide Seiten haben durchgängig einen latent psychedelischen Charakter, der – zwischen den musikalischen Epochen hin und her wechselnd – eine gewisse Künstlichkeit oder einen offenbaren künstlerischen Anspruch verströmt. Zu den sofort überzeugenden Stücken gehört ohne Zweifel „Just Too Much“, das mit hektischem Schlagzeug, klagend mehrstimmigem Gesang und seufzender Gitarre gefangen nimmt. Ohne Umstände überzeugt zudem „The Felt Sense“, bei dem erneut die Intensität der Drums und der effektive, die Aufmerksamkeit sofort auf sich lenkende Gesang im Zentrum stehen. Wie bei „Just Too Much“ hat die Rhythmus-Abteilung eine Eigenständigkeit, die das Stück dominiert und somit vermutlich auch allein stehend überzeugen würde – ohne damit den Rest des Stücks abwerten zu wollen. Als dritter Höhepunkt des Albums sei „Multiply“ erwähnt, dessen Trompetenzweiklang zu Beginn zurecht auch von der Werbung fürs Album betont wird. Träge und zögerlich, mit einer gewissen Monotonie schreiten Tu Fawning durch diese Schönheit. Die absolute Perle des Albums ist allerdings ohne Zweifel „Apples“, bei dem Trompete, Streicher und Klavier gleich zu Beginn eine ergreifende Atmosphäre schaffen, der zu entfliehen kaum möglich erscheint. Die Stimmung vertiefen Corrina Repps und Joe Haeges Gesang im Duett und der vorgetragene Text mit der Kernaussage „I don’t have friends like that“.

Alles in allem ist „Hearts On Hold“ ein beeindruckendes Album, eines, das jedoch in seiner Überfülle mehr gespannt warten lässt, was ein Nachfolger bringen mag, als das es hier in seiner Vielfalt sofort zünden könne. Tu Fawning liefern zehn tolle Songs, die aber als Album zusammengefasst womöglich fast überfordern.

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