Siriusmo – Mosaik

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Subjektiv war Moritz Friedrichs Beitrag „Das Geheimnis“ zu Modeselektors „Modeselection Vol. 01“ einer der schwächsten Tracks auf der Compilation. Daran ändert auch einiger Abstand zur Veröffentlichung nichts. Allerdings muss im Hier und Jetzt und mit Siriusmos Artist-Album-Debüt in den Händen und Ohren zugestanden werden, dass dieses „Geheimnis“ offenbar nicht zu seinen Glanzstücken gehörte. Ein Jahrzehnt ist Friedrich im Geschäft und erst der sanfte Druck der Modeselektoren konnte ihn überzeugen, die Mühen einer Albumproduktion auf sich zu nehmen. „Mosaik“ nennt sich das Ergebnis, und tatsächlich ist es „ein Muster, zusammengefügt aus kleinen Stücken“… oder doch eher eine Palette Kinderüberraschung ohne Schokolade, denn ein Muster ergibt sich auf „Mosaik“ nicht. Dennoch ist es mehr als einfach eine bloße Ansammlung von Tracks. Auch ohne Muster fügen sich die Stücke in einen vornehmlich diskoiden, ravigen Fluss.

Die musterlose Kleinteiligkeit besteht aus all dem, für das Siriusmo ab und an steht, also alles zwischen latent frickeliger Electronica, gebrochenen HipHop-Beats, Techno, Dubstep und Ravebratzerei. So könnte der melodisch verquere Titeltrack durchaus als typisch bezeichnet werden, wäre er in der eher wilden Inkonsequenz des Arrangements nicht gerade eher ungewöhnlich auf diesem Album. Alles in allem überwiegt das ravend Tanzbare. Selbst wenn die Beats pro Minute nicht immer überoffensiv daherkommen, ist der Grundklang doch einer der hedonistischen Verselbstständigung. Was andernorts stark stören mag und was in mancher Hinsicht eher wenig aufsehenerregend erscheint, erklingt hier – überraschend – gelungen. Gründe hierfür sind einerseits eine vielfach eher geringe Aggressivität, eine entspannte Milde, und zudem Friedrichs Gespür für das große P, den Pop.

In diesem poppigen Rave-Überraschungsomelett finden sich bassfuturistischer Dancehall („Bad Idea“), Electropop-Gassenhauer wie „Einmal in der Woche Schreien“ sowie Oizo’sche Electrobratzerei („Feromonikon“) oder auch das technoid ravende „Sirimande“. Klassischen, aber sehr gut unterhaltenden Raveelectro liefert Siriusmo mit „Feed My Meatmachine“, wogegen „Nights Off“ als geschwindigkeitsreduzierter Post-BigBeat-Popfunk eine Melodie aus dem kollektiven Popgedächtnis auf uns loslässt. Gut amüsieren tut nicht nur die funky stampfende Miniatur „Lass Den Vogel Frei“. Im Grunde verdeutlicht schon die Albumeröffnung „High Together“ als spaßig poppiger Ravetrack, was uns hier erwartet. Zu den Höhepunkten dieses „Mosaik“s gehört sicherlich der sphärische Sci-Fi-Bass-Pop „Idiologie“ ebenso wie der deutschsprachige Ravebass von „Goldene Kugel“ inklusive ungeheurem Popappeal. Ebenso erwähnt werden sollte der melodiöse Technopop (oder einfach nur Pop) namens „Signal“.

Wie das ganze Album im Prinzip jenseits der Genres Freunde finden sollte, gilt dies besonders für den quasi Daft-Punk’schen Sci-Fi-Electropop „Good Idea“, der nicht nur auf dem Melt, sondern auch auf dem Hurricane und selbst im Viva-Liederladen die Massen bewegen sollte. So bleibt zu betonen, dass Friedrichs Popverständnis außergewöhnlich ist, auch wenn die Kleinteiligkeit der Arrangements und des Albums als Ganzem teilweise nicht vollkommen überzeugt. Zudem hat Siriusmo etwas zu sehr den Schalk im Nacken … aber sonst wäre er wohl kein Kumpel von Modeselektor. Für die Vinylfreunde sei angemerkt, dass die Vinyl-Tracklist sich von der hier besprochenen CD-Fassung merklich unterscheidet.

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