Graciela Maria – Many Places

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Wie einfach es gehen kann… eine Mexikanerin trifft einen Berliner Produzenten in New York; zwei Jahre später veröffentlicht sie ein Album, das von ihm produziert wurde. Graciela Maria – eher bekannt vielleicht unter dem Namen Grace, unter dem sie auf einigen Tracks von Robot Koch auftrat – liefert mit ihrem Album „Many Places“ ein vordergründig unspektakuläres Singer-Songwriter-Album ab, das zwischen Folk, Barjazz, einfachem Pop und Electrosoul changiert. Produziert von erwähntem Robert Koch und im Songwriting unterstützt sowie mitproduziert von Ninja Tunes‘ Sneaky, überrascht Graciela Maria Alatorre mit einem natürlich und einfach inszeniertem Album, wo doch im Wissen um Kochs bisherige Veröffentlichungen (Robot Koch, The Tape, Jahcoozi) durchaus mit einem eher abstrakten oder einem beat-orientierten Werk gerechnet werden konnte.

Tatsächlich aber steht es den Songs durchaus gut zu Gesicht, sie in dieser natürlichen, klassischen Pop-Inszenierung zu hören. Hierbei reicht das präsentierte Pop-Verständnis von Elliott Smith über Beth Gibbons sowie The Doors bis zu Nina Simone. „Many Places“ gelingt so in einer Linie mit vielen Soul-einbindenden Popalben, die qualitativ überzeugen, aber nicht unbedingt lange fesseln; zumindest ließe sich dies als erster Eindruck festhalten, der sich jedoch recht schnell wandelt zu einer tiefen Faszination im Angesicht der Wärme der Stücke, der sich schleichend entfaltenden Intensität der Arrangements. Wo Melodien und Songwriting von Beginn an keine Zweifel an ihrer Qualität aufkommen lassen, dringen die eher hintergründigen Arrangements, der unscheinbare, aber effektive Einsatz von Drums, Bass und Streichern erst langsam ins Bewusstsein und lassen das Album schnell wachsen. Gerade in diesen klassischen Arrangements fallen die Electronica-Elemente – obwohl sie eigentlich genau so analog und organisch sind wie der Rest der Produktion – fast negativ auf; sie wirken – im Gesamtkonstrukt des Albums – gelegentlich zu offensiv („Underwater“, „Through The Night“) und unnötig übergestülpt.

Das ändert aber nichts an der grundlegenden, erfrischenden Zeitlosigkeit von „Many Places“. Vom eröffnenden, dräuenden „Santa Ana Afternoons“ in seiner streicherlastigen, seelenvollen Jazzpoppigkeit bis zum melancholischen, abschließenden, auf Spanisch vorgetragenen „Sirius“, dessen Tiefe die reduzierte Produktion ins Unermessliche steigert, dessen Streicherarrangement einfach beglückt, von Anfang bis Ende also, ist dies Album eine molllastige Perle. Dazu trägt das durchaus mit Erinnerungen an die frühen Radiohead spielende „Meanwhile“ ebenso bei wie das langsam voranschreitende, bluesige „Magic Bus“ oder das vor sich hinwalzernde „Always“. Graciela Marias Debüt-Album ist sicher kein Album gemacht für die Charts, aber es ist eine geschmackssichere, perfekt inszenierte Songwriter-Platte, die in der Produktion durch Sneaky und Robot Koch das gewisse Alleinstellungsmerkmal besitzt, das ihr Aufmerksamkeit sichern könnte. Ach so, und es ist eine dieser Platten, die in einer besseren Welt natürlich dennoch die Charts regieren würden.

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