Asobi Seksu – Fluorescence

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Auch auf die Gefahr hin, einmal mehr der Bibel zu widersprechen – also Pitchfork –, ist es erstaunlich, wie Asobi Seksu es auch auf ihrem vierten Album „Fluorescence“ erneut schaffen, die eigene Latte höher zu legen. Wo auf dem Vorgänger ihre Mischung aus 60er-Jahre-Pop und Shoegaze vor allem in eine wunderschön süßliche, episch elegische Richtung tendierte, geben James Hanna und Yuki Chikudate der eigenen musikalischen Klanggeologie im Jahr 2011 wieder etwas mehr Tiefe mit. Es bleibt poppig rund und gefällig, es bleibt in gesunden Maßen weitschweifig, aber Bass und Schlagzeug geben den Stücken eine gewisse Rohheit, eine Erdung, die dem fantastischen Vorgänger nicht innewohnte.

Die Rhythmussektion sorgt auch dafür, dass James Hannas Vorliebe für möglichst viele Schichten in einem Stück nicht in ausschließlich gefühlvolle Dreampop-Klanglandschaften führt, sondern die Stücke erlangen eine zusätzliche treibende Intensität. In Verbindung mit Yukis engelhaftem – oder alternativ teuflisch – hohem, ätherischem Gesang stehen Asobi Seksu somit weiterhin als ungekrönte Häupter an der Spitze des sich immer weiter diversifizierenden Dreampop-Revivals, das die Jahresendlisten 2010 zu einem guten Maße bestimmt hat. Diesen Klang vervollkommnen Asobi Seksu im eröffnenden „Coming Up“ und später im eskalierenden „Trance Out“, womit wieder einmal ein zum Teil auf Japanisch vorgetragenes Stück zu den Höhepunkten eines Asobi-Seksu-Albums wird.

Neben der genretypischen Erschaffung von weitläufigen Soundscapes mittels Verwebens und Überlagerung von Klangschichten, neben Yukis erwähnt überirdisch körperlosem Gesang und der wieder intensiveren Einbindung der Rhythmussektion aus Billy Pavone und Larry Gorman, zeichnet vor allem das Gespür für die überwältigend effektive Popmelodie Asobi Seksu und ihre Stücke aus. Mögen die Schichten noch so undurchdringlich sein, irgendwo schleicht sich die Melodie hinein, durchwindet alle Verzweigungen, löst den Hintergrund auf und wandert direkt in unsere Hörgänge. Die sowohl mitreißende wie aber vor allem einfach schöne Macht eines Stücks wie „Sighs“ zu beschreiben, erscheint fast unmöglich. Auf der anderen Seite schaffen Asobi Seksu mit dem von James Hanna gesungenen und von Yuki nur mit Backing Vocals versehenen „Counterglow“ ein im Stile von Former Ghosts oder Xiu Xiu gehaltenes Stück Synthesizer-Weird-Pop, wobei das Sonderbare natürlich von den Harmonien der Melodie im Zaum gehalten wird. Yukis Synthesizer dominiert überhaupt vielfach die Stücke auf „Fluorescence“, so auch im – an „Hush“ erinnernden – Song „Ocean“.

Mit „Fluorescence“ beweisen Hanna und Chikudate endgültig, dass Asobi Seksu eine der besten zeitgenössischen Bands ist, die tatsächlich ohne Abstriche seit Gründung sehr gute Alben veröffentlicht hat. Wo der Vorgänger Gefahr lief, in Schönheit zu sterben, legen Yuki, James und ihre Mitmusiker hier die Perfektion ihres bisherigen Schaffens vor. „Fluorescence“ ist ein Album voller verzerrt treibender Ohrwürmer, auf dem es keinen Ausfall gibt, aber dafür umso mehr potentielle subjektive Lieblingslieder vom zart schmelzenden „My Baby“ über das hymnisch luftige „Perfect Crystal“ sowie das epische, sich über uns ergießende „Leave The Drummer Out There“ bis zum abschließenden, melancholisch sehnsüchtigen „Pink Light“.

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