Telebossa – Telebossa

Zwei Berliner machen Bossa. Chico Mello – gebürtiger Brasilianer – und Nicholas Bussmann sind Telebossa und präsentieren auf ihrem selbstbetitelten Album eine Musik, die harmonisch und melodiös in jeder Sekunde den brasilianischen Bossa Nova verströmt. Im Hören der sieben Stücke fällt es schwer zu glauben, sie seien nicht bereits in den 1960er Jahren entstanden. Genaugenommen wäre es untertrieben zu sagen, Telebossas Bossaentwurf befände sich auf Augenhöhe mit den Werken João Gilbertos, Gilberto Gils oder Antônio Carlos Jobims. Die Zeitlosigkeit derer Kompositionen macht den Reiz aus, den der Bossa auch im Jahre 2011 noch besitzt. Mello und Bussmann jedoch leben im Jetzt und besitzen gleichzeitig ästhetische Vorstellungen und musikalische Talente, die denen dieser großen Vorgänger nahekommen. Die brasilianischen Komponisten der ersten Bossa-Generation waren beeinflusst vom Cool Jazz ihrer Tage, wussten wie Jobim aber auch um die Kraft der Musik Claude Debussys und Maurice Ravels. Mello und Bussmann nun nehmen den Bossa, zarte elektronische Experimentierfreude und eine gewisse Liebe zu Minimalist Music im Sinne Glass‘, Reichs oder Pärts und schaffen so ein Album, welches den Bossa zeitlos bleiben lässt und ihm ein Gesicht im 21. Jahrhundert verleiht.

Es braucht eine knappe Minute, bis der Hörer staunend auf der Vorstufe zur Begeisterung steht. Das Staunen wird nicht nachlassen, und die Begeisterung wird sich voll ausbilden im Verlauf der Dreiviertelstunde „Telebossa“. Mellos Gitarre, Bussmanns Cello, Mellos Gesang und ein gewisses Maß an Perkussion sind alles, was hier zu hören ist. Daraus erschaffen die beiden Musiker eine Welt voller Schönheit und Melancholie, in der immer eben auch eine gewisse Lebensfreude mitschwingt. Vielleicht ist es aber auch eine Landschaft voller lebensbejahender Schönheit, in der immer das Wissen um die Endlichkeit enthalten ist. „Telebossa“ ist ein stilles, ein reduziertes Album voller vordergründig einfacher Arrangements. Dahinter versteckt sich jedoch eine tiefe Vielfalt, die – bestimmt von der musikalischen Virtuosität ihrer Erzeuger – in all dieser Einfachheit eine kaum erträgliche Spannung verströmt und immer wieder neue Momente der Musik wahrnehmen lässt. Die Tiefe der Musik entspringt dabei ebenso sehr der Emotionalität der melodischen Inszenierung wie dem wirkungsvollem Einsatz der perkussiven Elemente. Dies können der Anschlag der Saiten sein, das Klopfen auf dem Klangkörper Saiteninstrument, elektronische Effekte oder auch experimentelle Feldaufnahmen.

Telebossas Album ergreift. Von Anfang bis Ende, von „Feltro No Ferro“ bis „Amoroso“ erklingt hier musikalische Schönheit. Die Ruhe der Stücke könnte verstören, ärgern, doch stattdessen fesselt sie. Die grundlegende Stimmung durchbrechen dabei die treibende, bedrängende und dringliche Intensität von „Eu Sonhei Que Tu Estavas Tao Linda“ sowie die experimentelle Fröhlichkeit von „Ingenuo“. Die besten Momente entspringen der kongenialen Verschmelzung, der musikalische Vollendung erreichenden Interaktion von Mellos Gitarre und Stimme mit Bussmanns Cello. Aber auch auf der realen Seite der Perfektion ist dieses Album nahezu unbeschreiblich … schön.

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