Planningtorock – W

Es ist schwer festzustellen, was die Stücke verbindet, die Janine Rostron aka Planningtorock auf ihrem zweiten Album „W“ präsentiert. Bedrohliches und Düsteres bestimmen die Ästhetik weitgehend, engen ein, doch gleichzeitig findet sich streckenweise eine beeindruckende Offenheit, das Gefühl, loslassen zu können und in diesen Liedern aufzugehen. Manchmal scheint es sogar, als erklängen Freiheit und Last nicht nur neben- sondern quasi ineinander verschränkt. „W“ bietet starke musikalische Momente, vielleicht sogar einige der stärksten dieses Jahres.

Im Nachhinein wirkt es, als dominierten perkussive Elemente die Stücke des Albums, dabei sind es nur einige, die so rhythmisch bestimmt sind. Andere prägen dagegen tiefgründige Streicherarrangements und auch Bläserelemente kommen zum Einsatz, um die Intensität der mitschwingenden Dunkelheit zu verstärken. Aber selbst, wenn das Intensive, Bedrückende durchaus im Vordergrund steht, erfasst eine solche Charakterisierung dieses Album nicht ganz.

Sowohl handwerklich als auch emotional bestimmt also eine Uneindeutigkeit „W“. Das ist allerdings nicht Zeichen einer Unentschlossenheit, sondern dürfte vielmehr Folge einer klaren Entscheidung der Künstlerin Rostron sein. Sehr bewusst versucht sie – und es gelingt hier – eine Musik zu schaffen, die einerseits sehr nah bei Fever Ray (die Albumeröffnung und Vorabsingle „Doorway“) oder Zola Jesus (das grandiose „The Breaks“, das ebenfalls bereits vorab zu hören war) ist und andererseits die barock-experimentelle Ausdrucksstärke einer Baby Dee aufweist. Mit dem Projekt „Fever Ray“ und der wunderbaren Dee verbindet Planningtorock zudem die weniger androgyne – also zweideutige zwittrige – als vielmehr vollkommen unklare Erscheinung in der öffentlichen Präsentation. Während sich der Hörer in dieser expressiven Ästhetik einzurichten versucht, plant Roston tatsächlich noch zu rocken, und pfeffert uns mit „Living It Out“ einen diskoid pumpenden Clubhit um die Ohren.

Optische Unklarheit und klangliche Inszenierung gehen auf „W“ bei Planningtorock Hand in Hand. Atmosphärisch intensive Stimmungen, treibende Beats und rhythmisch-perkussiv eingesetzte Instrumente, die eigentlich zum Schaffen von Stimmungen eingesetzt werden, Popappeal und experimentelle Komplexität, all dies wirkt hier mit- oder streckenweise auch fast gegeneinander. Die Heterogenität führt zu einer Unruhe beim Hörer, die unangenehm sein könnte. Andererseits führt sie aber zu einer dauernden Spannung und zu der fortlaufenden Frage, womit Rostron als nächstes überraschen könnte. Die Antworten erklingen dann ebenso unerwartet wie überzeugend. So heterogen das Album also sein mag, so durchgängig weiß es doch zu gefallen.

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