Munk – The Beat And The Bird

Da ist er wieder. Mathias Modica liefert sein drittes Album unter dem Munk-Banner ab. Auf dem eigenen Label Gomma erscheinend, fräst er unterstützt von zahlreichen Sängerinnen einmal quer durch den Club. Indie, Soul, House oder Disco, Dancefloor-Jazz, Funk und Electro, BigBeat oder latenter Dancetrash, alles findet sich auf „La Musica“. Nachdem Modica letztes Jahr den Sternen half, sich neu zu erfinden, verdeutlicht dies Album nun, was Modica als interessante Musik ansieht. Ein kleines Problem gibt es dabei aber: Der Hörer muss sich der Einschätzung des Musikers nicht wirklich anschließen.

Grund für diesen latenten Mangel an Begeisterung, der durchaus auftreten kann, ist in keiner Weise die eigentliche Qualität der Stücke. Modica tritt an, vertraut mit der Historie tanzbarer Musik der letzten (mindestens) 50 Jahre. Soul, Funk, Disco, HipHop, House, R’n’B, Electro und die discoidesten Ausformungen des letzteren verziert er mit potentiell Trash- und Kitsch-behafteten Elementen der verschiedensten Pop-Gattungen. So entstehen dreizehn Stücke, unter denen allein vielleicht das einleitende „Can I Have Your Attention?“ nicht wirklich harmonisch erscheint in seiner Zweigeteiltheit zwischen Beats und 60s Girl-Pop. Das Problem des Albums ist tatsächlich einzig und allein, dass die Stücke zwar harmonisch an einem vorbeigleiten, es an wirklich spannenden Momenten aber mangelt. In gewisser Weise fehlt den Stücken die Eigenständigkeit, manch ein Track könnte von beliebigen Produzenten der letzten 5 Jahre stammen, die meisten scheinen aber, als hätte man sie irgendwann in den ausgehenden 1990ern hören müssen.

Funky Discosounds voller kleiner Soundspielereien, getragen vom Gesang der zwölf Sängerinnen, das ist „La Musica“, damit strotzt, damit glänzt das Album. In seiner gleichförmigen Qualität ist es schwer, Höhepunkte auszumachen. Allerdings fällt auf, wie sich die erwähnenswerten Tracks in der zweiten Albumhälfte ballen. Ausnahme ist der Titeltrack, dessen pumpender Bass schon letztes Jahr die Clubs beschallte. „So Close“ kommt dagegen fast zurückgenommen als Indiepop im funky-psychedelischen Remix-Gewand daher. Auch „A Bored Heart“ hat einiges im tanzbaren Indie gelernt, genauer kommt hier das, was The Faint vom Electro mitgenommen haben, zurück in die Housedisco. Inspiriert von Mathias Modicas aktueller Heimat Marseille verbinden „Rue Du Rome“ und „Marseille Machete“ funky Housebeats mit nordafrikanischer Klangästhetik und einer gewissen, an Kraftwerk erinnernden krautelektronischen Rhythmik. Besonders „Marseille Machete“ überzeugt dabei. Den sehr subjektiven Höhepunkt des Albums, das experimentelle „Dort“, versteckt Munk jedoch ganz am Ende. Die in gewisser Weise klassisch deutsche Electronummer weist zwar auch tief in die 1990er (Laub, Quarks) und zu Barbara Morgenstern, überrascht hier im Albumkontext aber so sehr, dass es sofort gefangen nimmt und hängenbleibt. Bis auf „Dort“ ist „La Musica“ ein in seiner konkreten Nische sehr vielseitiges Album, wobei die Grundcharakteristika – Beat, Funk, Disco – aber die Variationen in gewissem Maße glattbügeln und so die Spannung nehmen. „La Musica“ ist auf keinen Fall schlecht, aber richtig überzeugen tut es auch nicht.

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