Mark E – Stone Breaker

Es könnte sein, dass Minimal selten so reduziert war wie streckenweise auf Mark Es „Stone Breaker“. Andererseits könnte es ebenfalls sein, dass housiger Minimalismus selten so rave-orientiert und intensiv war. Es erscheint tatsächlich, als sei es die Intention des Briten, die Steine, die seine Hörer sein mögen, zu brechen. Wenn man der monotonen voranschreitenden Bewegung, die dieses Album ist, einen Vorwurf machen kann, dann jenen, dass einmal mehr ein elektronischer Musiker nicht weiß, wann es genug ist. Ein Album muss nicht länger als eine Stunde sein. Besonders Platten, die aus reduziert hypnotischen Arrangements bestehen, tragen selten auf diese Dauer. Diese Kritik trifft allerdings nur die CD-Version, denn Vinyl-Fetischisten erhalten das 45-Minuten-Kondensat von „Stone Breaker“.

Minimalismus und Rave gehen nicht zwangsweise logisch zusammen. Minimalistisch an „Stone Breaker“ ist die Konzentration auf wenige, konzentriert eingesetzte Elemente, die wenig variiert werden und stattdessen vornehmlich monoton vor sich hin schreiten. Der Ursprung der vereinzelt und gleichförmig inszenierten Bestandteile der Tracks jedoch liegt durchaus in rave-orientierten Genres. Im Zentrum des Albums – in beiden Fassungen – steht der Zehnminüter „Got To Get Me There“, der leider aber auch als Schwachpunkt der Platte gesehen werden mag. Kraftwerk und Underworld treffen auf minimalen House der 00er Jahre und alles drei vermischt sich zu einer trüben und zähen Masse.

Die Reduktion repetitiver Elemente findet auch Ausnahmen. „Black Moon“ ist sowohl von der Struktur der verwendeten Beats wie der sie umgebenden Synthie-Flächen im Albumkontext fast als opulent zu bezeichnen. Unkompliziert erklingt dagegen zunächst das mit „Black Moon“ Rücken an Rücken angeordnete „Oranges“, um in seiner Einfachheit dann aber fast den Umfang eines perkussiven Irrgartens anzunehmen. Auch hier finden sich im Laufe der acht Minuten warme Synthesizerflächen ein.

Die Highlights des Albums, die Tracks, die den Albumeindruck bestimmen und in ihrer Singularität über manches hinweg hören lassen, finden sich gleich zu Beginn. Die stampfenden Hammerschläge von „Archway“ drängen sich ins Gedächtnis und machen willenlos, die sie unterstützenden Synthesizer-Fetzen sind fast überflüssig; stumpfe balearische Motive in steter Wiederholung lassen „Black Country Saga“ glänzen und die quasi eins zu eins aus Daft-Punk-Tracks entnommenen Acid-Elemente wurden selten so kriegerisch vernichtend genutzt wie in „Belvide Beat“.

Die monotone Intensität der ersten Albumhälfte begeistert. „Got To Get Me There“ und „Deny This“ strengen an. Die zweite Albumhälfte ist herkömmlich und gut und verleitet zum Achselzucken. Da ändert auch die soulige Schönheit von „The Day“ nichts dran.

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