Kitty, Daisy & Lewis – Smoking In Heaven

Die drei Rock’n’Roll- oder auch Rockabilly-Youngster Kitty, Daisy und Lewis präsentieren sich auf ihrem zweiten Album erneut ganz natürlich – soll heißen, ohne Verwendung digitaler Hilfsmittel. Rauchig erklingt somit nicht nur der Titel des Albums, sondern auch der Sound. Tatsächlich ist allein diese Besinnung auf unsaubere, fehlerhafte Aufnahmemethoden eine Erholung in Zeiten perfektionierter Klangerzeuger und Aufnahmegeräte, in Zeiten immer lauterer, klarer abgemischter Platten, deren Kompression vornehmlich darauf abzielt, dem Hörer die Ohren auszuspülen. Man kann sich natürlich fragen, ob der aus der Zeit gefallene Klang der drei irgendwen hinter dem Ofen herlocken kann und sollte, bzw. ob nicht mit dem Debüt alles gesagt wurde, was ästhetisch und musikalisch zu sagen war.

Auch wenn die Albumeröffnung anderes anzudeuten scheint, indem sie den Ska in den Kosmos von Kitty, Daisy & Lewis einführt, steht hier tatsächlich alles in einer Linie zum Vorgänger. Rhythm’n’Blues und Rock’n’Roll geben sich ein Stelldichein und versetzen den Hörer auf eine zeitgemäße R’n’R-Tanzfläche oder auf eine nostalgische Retro-Messe für amerikanische Straßenkreuzer, Mode und Musik oder – wie das Cover schon andeutet – in ein verrauchtes Hinterzimmer voller Alkohol, Zigaretten und Glücksspiel.

Das Beeindruckende ist dann aber, dass diese Musik eben sofort auch jenseits der Klischees des vorhergehenden Absatzes funktioniert. „Smoking In Heaven“ ist eine Alkohol- und Teer-geschwängerte kleine Perle, die zudem ein wenig von Keksen, Coke und Nachos zehrt – wenn man einmal mehr dem Cover glaubt. Jenseits jeder Klischees ist erwähnte Albumeröffnung ein kleiner Americana-Ska-Hit, der mitreißt, „Don’t Make A Fool Out Of Me“ ein potentieller Bluesklassiker, „I’m Going Back“ eine fast grandiose R’n’R-Nummer und „Baby Don’t You Know“ ein einfacher Rhythm’n’Blues-Song, den der Beat durch die vergangenen R’n’R-Jahrzehnte jagt. Daneben gibt es Boogie, Retro-Pop der 2000er Jahre („Messing With My Life“), Rockabilly und – im Titeltrack – heulenden Mundharmonika-Blues. Am überzeugendsten gelingt „Smoking In Heaven“ sicherlich in den Momenten, in denen ganz klassisch rauher Rhythm’n’Blues auf swingenden Rock’n’Roll trifft. Dazu gehört zum Beispiel auch „You’ll Soon Be Here“, der tatsächlich auf keiner Rückschau auf die frühen 1960er Jahre aus dem Rahmen fallen würde. Dunkel und treibend erklingt diese Mischung dagegen in „You’ll Be Sorry“. Zu den Höhepunkten der Platte zählt zudem „I’m So Sorry“, die Vorabsingle des Albums, welche die Ska-Bläser und -Rhythmen wieder aufgreift, die uns schon in „Tomorrow“ im Album begrüßten.

In Zeiten, in denen manch ein Musiker und manch ein Musikhörer sich entschließt, nur noch Musik zu hören, die in diesem Jahrhundert erschienen ist, um dem totalen Overkill zu entgehen, sind Kitty, Daisy & Lewis die Bewahrer des wahren R’n’R, R’n’B und von einigem mehr. „Smoking In Heaven“ mag kein großes Album sein, aber es ist eine jener kleinen Platten, die jederzeit erfreut.

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