Daniel Haaksman – Rambazamba

Daniel Haaksman legt sein Debütalbum vor. Es ließe sich anmerken, der Chef des Berliner Labels Man Recordings‘ käme damit etwa zwei Jahre zu spät, denn das Genre Baile Funk – Haaksmans persönliches Steckenpferd – sei doch so was von 2009. Andererseits könnte auch vermutet werden, Deutschlands größter Baile-Funk-Fan und -Meister habe sich eben – anders als im Musik-Business üblich – einfach die nötige Zeit gelassen.

Neben Diplo ist Haaksman sicherlich der DJ und Produzent, der an der globalen Verbreitung des Brasilianischen Funk den meisten Anteil hat – und es ließe sich vielleicht sogar argumentieren, dass selbst Diplo ohne Haaksman nicht da wäre, wo er heute ist. Somit lässt sich Großes von „Rambazamba“ erwarten.

Ausgehend vom brasilianischen Ursprung des Baile Funk präsentiert Haaksman auf „Rambazamba“ einen Rundumschlag über das, was eben 2009 als Ghettotech bezeichnet worden wäre, und was im Grunde nichts anderes darstellt als die totale Bastardisierung des Pop unter den Vorzeichen elektronischer Tanzbarkeit. Vollkommen hedonistisch steht hier die Party im Vordergrund und feiern wird der Hörer der 15 Tracks. Daniel Haaksman führt uns von Brasilien über die Karibik auf den Balkan, von wo es nur eines kurzen Sprungs bedarf, um nach Kairo zu gelangen, um dann über Angola und Berlin zurück nach Rio zu fliegen. Zumeist basierend auf mehr oder weniger klar erkennbaren, mehr oder weniger obskuren Samples heißt das, wir finden hier neben Baile Funk so verschiedene Sounds wie Kuduro, Soca, Dub, Techno Brega, House, Disco, Jazz, klassischen Funk und Shantels Balkan-Pop-Interpretationen.

„Rambazamba“ ist also eine klar rave-optimierte Platte. Wo solche Partyangelegenheiten im Regelfall unter der eigenen Gute-Laune-Überlastung zu implodieren pflegen, schafft es dieses Album, in der Vielfalt seiner ekstatischen Beat-Kanonade durchgängig zu begeistern. Nichtsdestotrotz braucht man zu Beginn ein wenig Zeit, um mit der Platte warm zu werden, denn der Baile-Funk-Wahnsinn „Jesus“ und der Indie-Rave „Pobum Coco“ (eine Verbeugung vor I Blame Coco) zünden zwar sofort, aber zeigen nicht gleich, wie großartig diese Platte ist.

Mit der Disco-Nummer „Copabanana“ allerdings breitet sich endgültig ein heimeliges Wohlgefühl auf dieser elektronischen Rumba-Samba-Party aus. Moderne afrikanische Rhythmen bieten nachfolgend „Hands Up“ und „Angola Galopp“, während „Sum Sum“ in die britische Balkandiaspora entführt. Ebenfalls osteuropäisch geprägt gelingt das fantastische „Dubchek“ mit Hilfe von Shantel und dem Boban Markovic Orkestar zu einem Höhepunkt des Albums. In „Strut Oriental“ trifft dagegen Bossa auf ägyptischen Jazz. Irgendwann ist der Hörer dann so durcheinander gewirbelt und adrenalinaufgepumpt, dass der Baile-House „Senta Senta“ nur noch mit Jubelstürmen zu begrüßen ist. Die Ekstase wird auch kaum mehr nachlassen, denn sowohl die Bässe und Tarantela-Bläser in „Kewok“ und der karibische „Carnaval“ wie auch der 80er-Berlin-Electro „Dim Daa Daa“ zwingen zum Tanzen. Ob das dann bei „Bomba“ noch möglich ist oder die Erschöpfung zu groß sein wird, hängt von der persönlichen Kondition ab. Sicher aber ist, dass Haaksman uns am Ende mit „Berlin Brega“ in hektischer 8-Bit-Ekstase und ohne Vorwarnung aus der Bestie namens „Rambazamba“ hinaus in die kalte Nacht wirft. Was tun? Zugabe abwarten und von vorne hören.

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