Danger Mouse & Daniele Luppi present Rome

Wären nicht Norah Jones und Jack White an „Rome“ beiteiligt, würde nicht ihr Gesang die auffallendsten Momente der Platte prägen, die Kooperation von Brian Burton (Danger Mouse) und Daniele Luppi ließe sich nicht dem beginnenden 21. Jahrhundert zuordnen. Harmonisch, stilistisch und methodisch stehen die Stücke des Albums ganz tief in den 1960er und 1970er Jahren. Tatsächlich erscheint „Rome“ im ersten – und auch noch im zweiten – Moment auf die negative Weise anachronistisch, das heißt, überholt und veraltet.

Eine weitere Empfindung, die Brian Burtons neueste Exkursion zunächst auslöst, ist die der Langeweile. Zu unauffällig, zu plätschernd, zu wohlgefällig erklingen die Stücke. Selbst Jack Whites Gesang kann dieser weichgespülten Musik keine Wiedererkennungsmerkmale beifügen. Die vollkommen handgemachten Stücke, die sich an italienischen Soundtrackmeistern orientieren, ziehen vorbei wie die Begleitmelodien eines netten, aber nicht sonderlich tiefschürfenden Films.

Irgendwann aber erliegt man dem Charme der Breitwand-Landschaften aus Klang. Man erwischt sich dabei mitzusummen, mitzupfeifen, mitzusingen. Die Traurigkeit der Stücke, ihre zarte Melancholie, der subtile Anklang von Hoffnung, der mitschwingt, all dies packt irgendwann. Luppi und Burton haben hier Musik geschaffen für filmische Emotionen, die sich im kollektiven Bewusstsein eingeprägt haben, für, negativ formuliert, Klischees der Filmindustrie, für, positiv gewendet, jene allgemeingültigen Emotionen, die Filme auszulösen vermögen. „Rome“ vertont unspezifische Bilder und berührt dennoch – oder gerade deshalb. Burton und Luppi versehen die klassische Klang-Ästhetik epischer Leinwandentwürfe mit einem ungemeinen Popappeal. Somit erschließen sich die Stücke selbst den Freunden der simpelsten Popklänge, erfreuen in ihrer harmonischen Perfektion, in ihren nicht nur wohlgefälligen, sondern auch spannenden Arrangements aber auch „anspruchsvollere Geister“. So sehr „Rome“ am Hörer vorbei zu plätschern scheint, so sehr beglückt es doch auch, so sehr möchte man es wieder hören.

Brian Burton und Daniele Luppi verbinden auf „Rome“ die üblichen Mittel des orchestralen Bombastpop mit der harmonischen Ästhetik von Soundtrackklassikern der Genres Western, Historienfilm und Thriller. Das ist vordergründig seicht, aber zudem einfach geschmackvoll und verschmitzt, kreativ und formvollendet.

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