Chloe – These Streets EP

Zum Beginn seien einige Klischees angeführt. Das erste Album ist für einen Singer/Songwriter das einfachste, er ist frei von Druck und setzt so Erfahrungen unbelastet um. Aus diesem Grund ist die erste Veröffentlichung mutmaßlich üblicherweise auch die beste entsprechender Künstler. Unter dieser Klischeebelastung ließe sich vermuten, es sei kein gutes Zeichen für die Langlebigkeit einer Karriere, wenn die erste Platte „nur“ eine kurze EP mit sechs Stücken sei. Wenn aber diese EP eine solche poppige Perle des Indiefolk ist, wie sie es im Fall von Chloes „These Streets EP“ ist, sollte man entweder die Klischees vergessen oder die Ausnahme von der Regel heraufbeschwören.

Die Berlinerin Chloe präsentiert auf der EP sechs Stücke, die einerseits irgendwo zwischen Anna Ternheim und Cat Power liegen, andererseits aber auch mit Harmonien spielen, wie sie in der Phase zwischen „Ray Of Light“ und „American Life“ ein Markenzeichen der Songs von Frau Ciccone waren – also von Madonna. Die Stücke sprudeln über von ruhig melancholischem Popappeal, sie glitzern voller impliziter Freude am Sein. Chloes Musik erscheint, als stamme sie von einem Menschen, der ganz in sich ruht, der nichts anderes möchte, als Musik machen und uns damit zu erfreuen. Tatsächlich gelingt ihr das. Von „Family Tree“ bis „Dreaming In Stereo“ erklingen hier Ohrwürmer, die im Nachhinein vielleicht nicht alle Zutaten zum Erfolg im Formatradio haben, die aber – wenn sich in zwei oder drei „jungen Radios“ Redakteure für sie erwärmen können – vermutlich einen unaufhaltsamen Siegeszug antreten sollten. Eine Frau und ihre Gitarre bauen auf den Karrieren von anderen Frauen und Männern mit Gitarren auf und schaffen sofortige Hits. So einfach kann Musik sein. Das ist eigentlich nicht aufregend und doch spektakulär angenehm, schön, mitsummbar, ohrwurmig und irgendwie sogar begeisternd. Wenn „These Streets“ Chloes einzige Platte bleiben sollte, kann sie stolz darauf sein, sollte sie in dieser Qualität weitermachen, ist es ein Grund der Freude für die Musikhörer. Wie dem auch sei, die „These Streets EP“ ist eine kleine Schönheit.

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