Various – Prosumer Presents Panorama Bar 03

Kenny Dope ließ die Bucketheads 1995 verbreiten: „These Sounds Fall Into My Mind,“ und „The second most popular game, that we played as children, is House”. Als eine der wenigen House-Singles – vielleicht gar als der ersten und einzigen –, die es im deutschen Radio zu Airplay brachte (verdientermaßen) mag „The Bomb“ für den einen oder anderen Jugendlichen der damaligen Zeit ein besonderer Track sein. Andererseits ist seine Intensität, sein perfekter Spannungsbogen in Radio- und Club-Mix auch ein relevanter Maßstab für das, was House leisten kann oder vielleicht sogar soll.

Prosumers erster offizieller Mix – der passenderweise als „Panorama Bar“-CD erscheint – versucht ganz eindeutig, Tracks zu versammeln, die diesen Anspruch erfüllen. Steffis „Sadness“ eröffnet den Mix und überrascht als eindeutiger House und in seiner besonderen, pop-orientierten (sprich: Florence and The Machine, Fever Ray, Barbara Panther) Inszenierung. Der außergewöhnlichste Moment der dritten „Panorama Bar“-Ausgabe kommt gleich zu Beginn. Insofern leidet der Rest der Compilation unter diesem Eindruck. Ein guter klassischer House-Track wie DJ Dukes „Heard“ erscheint im Schlagschatten von „Sadness“ fast langweilig. Solche Eindrücke relativieren sich jedoch im Laufe der guten Stunde „Panorama Bar 03“ zum Beispiel, wenn Lil‘ Silvas Beitrag als bouncende Dancehall-Dubplate ziemlich aus dem Rahmen fällt, dessen House-Charakter eher unterschwellig ist – und um so mehr überzeugt. Obwohl klar dem Genre House entspringend, fällt „Bass Mood“ von Oracy ebenfalls als etwas Besonderes auf.

Die funky Energie, die das Genre House durchaus definiert, besitzen auf „Panorama Bar 03“ nicht nur Hunees „A Leaf For Hand In Hand“ und Circulations „Sincerly“ im Creation Mix, auch Romanthonys „House O‘ God“ verströmt sie in all seiner zurückgelehnten Entspanntheit. Klassisch und äußerst gut funktioniert zudem J.T. Melodys „Prove It Instrumental“. Die Ekstase der Nacht im Club transportiert Soundso mit seinem unbetitelten Beitrag und auch Soundstores „Take U“ führt direkt auf die Tanzfläche. Den Dreiklang exklusiver Bomben vervollständigt T.S.O.S. mit „Over And Over“. Dagegen wirkt Theo Parrishs „Two Cities“ auf erschreckende Weise altbacken, ein Schicksal, dem auch Morgan Geists „Current“ in diesem Kontext zu erliegen droht. Allerdings vermag „Let’s Swing It“ von Servo Unique die Ehre der Klassiker zu wahren und sogar die Jungspunde noch einmal zu übertrumpfen.

Bei aller Begeisterung ist Prosumers „Panorama Bar 03“ eine eher unausgeglichene Angelegenheit. Die schwächeren Stücke drohen zu ersticken in der Gegenwart der erwähnten Highlights. Beispielhaft mag das abschließende „Love Injection“ von QX-I stehen, das ziemlich aufgepfropft erscheint. Nichtsdestotrotz ist der Mix gut, denn Entspannungsphasen – Stücke, mit denen man nicht so viel anfangen kann – muss es auch geben.

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