Chrissy Murderbot – Women’s Studies

Chrissy Murderbot schreibt von sich, er sei verliebt in Juke-Rave-Jungle-Disco-Dubstep-hi-NRG-Gangsta-Dancehall-Ghetto-Garage-Core. Wie so etwas klingt? Sein Album „Women’s Studies“ ist ein Anhaltspunkt. Unabhängig davon ist es eine verdammt gute Platte, die in ihrer Tanzbarkeit nicht nur als Party-Album funktioniert, die zu hören vielmehr auch ganz alltäglich zu begeistern weiß. Die Beschreibung seines bevorzugten Stils ließe sich etwas bösartig einfach als „Querbeet“ beschreiben, und tatsächlich bewegt sich Murderbot auf „Women’s Studies“ einmal quer durch die Rabatten des Bass-Musik-Gartens. Dancehall verschiedener Altersstufen, Dubstep, 2Step, Garage, Grime, Jungle und Juke, alles präsentiert er unterstützt von einer Vielzahl von MCs in den 12 Tracks.

Eine solche Vielzahl von energetischen Dancetracks könnte – und wird im Regelfall – ermüden. Das Erstaunlichste an „Women’s Studies“ ist somit, dass das Feuerwerk in keinem Moment anstrengt, sondern immer funktioniert und nahezu perfekt inszeniert ist. Murderbot besitzt ganz offenbar eine außergewöhnliche Musikalität, die es ihm erlaubt, den Hörer mit seinen Basskaskaden und seinem Beatfeuerwerk zu fesseln, statt zu überlasten. Spannung und Pop-Appeal halten sich die Waage und führen so in Versuchung und zwingen zum Tanzen. Selbst die schwächeren Tracks – zum Beispiel der Electro-HipHop „Sweet Thang“, der in gewisser Weise doch State-Of-The-Art ist – besitzen mehr als durchschnittlich viel Potential. Helfen mag bei der Hörbarkeit, dass Murderbot in keinem Moment versucht, hier epische Tracks zu schustern, sondern immer im Rahmen von Pop-Tracks verbleibt.

Murderbots hochenergetische Grundintention findet sich in „Jiggle“ mit am besten wieder, das fast, aber eben nur fast, Körperanimation durch Hektik ersetzt. Die ekstatisierende Geschwindigkeit des Juke besitzen auch „Heavy Butt“ und „Bussin Down“. Letzteres gewinnt insbesondere durch das verwendete Funk-Sample. Vom House zur Dancehall zum Junglefloor geht es im packenden „The Vibe Is So Right“. Ganz tief in die Dancehall der 1990er und ins Vereinigte Königreich führt uns Warrior Queen in „Under Dress“, und „Nice Lookin Bwoy“ ergänzt das durch einige Jungle-Vibes. Der Albumabschluss „Burnin Up“ ist Dancecore der frühen bis mittleren 1990er und zeigt, dass ein Eurodance-Revival tatsächlich gelungen klingen kann. Ein Einfluss latent trashiger Eurodancehall findet sich weiterhin im grandiosen „Pelvic Floor“. Vorher schon begeistert „Bumb Uglies“ in der Vermischung einer simplen Kingston-Ästhetik und sanfter R’n’B-Samples. Der Titel mag in die Irre führen, aber „New Juke Swing“ ist im Grunde doch ein astreiner Jungle-Track – und zwar ein verdammt guter.

Nach dem eröffnenden „Break U Off“ mag man noch zweifeln, was das geben soll mit diesen – latent frauenfeindlichen – „Women’s Studies“. Spätestens aber zur Mitte des Albums ist man euphorisiert und diesem Sound verfallen. Chrissy Murderbot schafft das Kunststück, ein durchgängig gutes, mitreißendes und hörbares Party-Album zu schaffen.

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