Box Codax – Hellabuster

Es ist verständlich, dass ein Mitglied von Franz Ferdinand – in diesem Fall Nick McCarthy – sich bei seinem Hauptarbeitgeber nicht vollkommen ausgelastet fühlt. Entsprechend wundert es dann auch nicht, wenn das zweite Album von Box Codax, dem „Seitenprojekt“ McCarthys – zusammen mit Alexander Ragnew und Manuela Gernedel –, eine ziemlich ausufernde, vielseitige und in Phasen schräge Angelegenheit ist. Unter anderem unterstützt von FF-Schlagzeuger Paul Thomson, Metronomys Joseph Mount sowie Gomma-Labelchef und Munk-Mastermind Mathias Modica, entsteht eine mal discoide, mal einfach indiegene Platte, an der vieles begeistert, die immer wieder überrascht, an der aber am meisten wundert, dass der Beat vielfach tatsächlich den Standard-Franz-Ferdinand-Takt gibt.

Mit Modica eint Box Codax auf „Hellabuster“ die Liebe für Moroder-Synthesizer-Klänge und filmische Sequenzen. Melodien und Arrangements tragen das Lied, den Song, würden aber auch einzeln als Tracks funktionieren, und erscheinen, als seien sie gemacht, um gewisse typische Filmszenarien in Szene zu setzen. Andererseits könnte es auch einfach sein, dass McCarthy und seine Mitstreiter begeistert sind von Damon Albarns Schaffen mit den Gorillaz. Dementsprechend sollte „Hellabuster“ dessen Fans durchaus zusagen. Egal, wo der Ursprung der Arrangements liegt, folgt aus dieser Filmorientierung eine Variationsbreite der Rhythmen und Melodien, die gelegentlich fast überhand zu nehmen scheint. Somit sind auch auf „Hellabuster“ Box-Codax-Tracks nicht zwangsweise einfache Kost. So ist „Choco Pudding“ etwas arg penetrant in seiner wohlgelaunten Post-Punk-Indieclub-Orientierung, und auch „Nothing More Than Anything“ als träge walzernde Extravaganz zieht sich in die Länge. Danach ist Gernedels klassischer Punkstampfer „Sandy Moffat“ ein wahres Labsal und gehört zu den vielen Höhepunkten auf „Hellabuster“. Zwei weitere Highlights des Albums finden sich gleich zu Beginn. Neben dem eröffnenden, mit Punk- und Walzer-Einsprenkseln verzierten Bombastpop des Titeltracks, ist kaum etwas so exzessiv tanzbar wie „Seven Silvers“. Später erklingt „Pour Moi“ als pulsierende, dunkle Film-Noir-Ballade. Ein wenig UB-40 gibt es dagegen in „No Trains“ zu hören. Treibend düster und gleichzeitig reggaefiziert gehen Box Codax in „Radical Plains“ zur Sache. Eine tanzbare, moderne Spielform des Schweinerock bietet McCarthys Projekt in „I Won’t Come Back“, dessen hysterische Eskalation durchaus als typisch für das Album gelten kann. Kontrollierte Übertreibung bestimmt selbst solch schwelgerische Schönheiten wie das von Manuela Gernedel gesungene „Charade“ und auch im Arrangement des zerbrechlich verletzlichen „Inanimate Inamorato“ mag die Band nicht auf eine Maximierung der Instrumentierung verzichten.

Box Codax‘ zweites Album begeistert in der treibenden Tanzbarkeit wie in der zurückgenommenen – quasi-Chemikal-Underground-Records’schen – Tragik. Zwar gibt es auch die schwächeren Momente, aber nach Abzug der Steuern verbleibt weiter ein wirklich gutes und unterhaltsames Album, dessen Wachstumspotential schwer einzuschätzen ist.

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